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Demokratische Republik Kongo
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Die Demokratische Republik Kongo (deutsch [], französisch [], abgekĂŒrzt DR Kongo oder DRK, auch bekannt als Kongo-Kinshasa oder einfach Kongo mit bestimmtem mĂ€nnlichen Artikel der oder sĂ€chlich ohne Artikel) ist eine Republik in Zentralafrika. Sie ist nach FlĂ€che der (nach Algerien) zweitgröĂte und nach Bevölkerungszahl der viertgröĂte Staat Afrikas und grenzt (von Norden im Uhrzeigersinn) an die Zentralafrikanische Republik, den SĂŒdsudan, Uganda, Ruanda, Burundi, Tansania, Sambia, Angola, den Atlantik und die Republik Kongo (der Name Kongo erscheint also in zwei benachbarten, aber verschiedenen Staaten). Die Darstellung des Kongo als zusammengehöriger, souverĂ€ner Staat ist allerdings irrefĂŒhrend, da die Regierung keine Gewalt ĂŒber das gesamte Land ausĂŒbt â der Kongo wird daher als Gescheiterter Staat betrachtet.
Die Demokratische Republik Kongo wird vom Ăquator durchzogen; es herrscht ein tropisches Klima. GroĂe Teile des Staatsgebietes sind von tropischem Regenwald bedeckt. Die etwa 110 Millionen Einwohner (Stand Juli 2024) lassen sich in mehr als 200 Ethnien einteilen. Es gibt eine groĂe Sprachenvielfalt, die Verkehrssprache ist Französisch. Etwa die HĂ€lfte der Einwohner bekennt sich zur katholischen Kirche, die andere HĂ€lfte verteilt sich auf Kimbanguisten, andere christliche Kirchen, traditionelle Religionen und den Islam. Die Hauptstadt und das Wirtschaftszentrum Kinshasa gilt mit ĂŒber 16 Millionen Einwohnern, noch vor Lagos, als gröĂte Stadt Afrikas. StĂ€dte mit mehr als einer Million Einwohnern sind zudem Lubumbashi, Mbuji-Mayi, Kananga, Kisangani, Bukavu und Tshikapa.
Contents
âą Geographie
âą Klima
⹠GewÀsser
âą Flora und Fauna
⹠StÀdte
⹠Bevölkerung
âą Demographie
âą Sprachen
âą Religionen
âą Bildung
âą Arbeitsmarkt
âą Landesname
âą Geschichte
âą Diktatur Mobutu
âą Kongokriege
âą Nachkriegszeit
âą Politik
âą Verfassung
âą Wahlen
âą Regierung
âą Menschenrechte
⹠MilitÀr
âą Wirtschaft
âą Rohstoffe
âą Landwirtschaft
âą Industrie
âą AuĂenhandel
âą Staatshaushalt
âą Infrastruktur
âą StraĂenverkehr
âą Schienenverkehr
âą Schiffsverkehr
âą Flugverkehr
âą Kultur
âą Literatur
âą Medien
âą KĂŒche
âą Kunst
âą Musik
âą Kino
âą Sport
âą Feiertage
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Dokumentationen
âą Weblinks
âą Weitere Links
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JĂŒngere Geschichte
Das Gebiet des heutigen Staates kam im Jahr 1885 als Privatbesitz des belgischen Königs unter Kolonialherrschaft. Das vom belgischen König Leopold II. dort etablierte Kolonialregime gilt als eines der grausamsten. Nach der UnabhĂ€ngigkeit im Juni 1960 wurde das Land nach mehrjĂ€hrigen innenpolitischen Konflikten 32 Jahre lang von Mobutu Sese Seko diktatorisch regiert. 1997 wurde Mobutu vom Rebellenchef Laurent-DĂ©sirĂ© Kabila gestĂŒrzt. Auf den Machtwechsel folgte ein weiterer BĂŒrgerkrieg, der aufgrund der Verwicklung zahlreicher afrikanischer Staaten als Afrikanischer Weltkrieg bekannt wurde. 2002 wurde ein Friedensabkommen unterzeichnet. Im Osten des Landes finden aber bis heute KĂ€mpfe statt. Erstmals seit 1965 fanden 2006 freie Wahlen statt. Dennoch wird das Land bis heute autoritĂ€r regiert und es kommt weiterhin regelmĂ€Ăig zu schwerwiegenden Verletzungen der Menschenrechte.
Trotz oder gerade wegen seines Rohstoffreichtums zÀhlt der Staat, bedingt durch jahrzehntelange Ausbeutung, Korruption, jahrelange Kriege und stÀndige Bevölkerungszunahme, heute zu den Àrmsten LÀndern der Welt.
Der derzeitige StaatsprÀsident Félix Tshisekedi wurde 2018 gewÀhlt. Er setzte Sylvestre Ilunga von 2019 bis 2021 als Premierminister ein.
Geographie
Die Demokratische Republik Kongo umfasst als zweitgröĂter Staat Afrikas eine FlĂ€che von 2.344.885 kmÂČ und ist somit 6,6-mal so groĂ wie Deutschland, 6,8-mal so groĂ wie die benachbarte Republik Kongo und 76,4-mal so groĂ wie die ehemalige Kolonialmacht Belgien.
Sie liegt in Zentralafrika am Ăquator. Weil Flora und Fauna sehr vielfĂ€ltig sind, besitzt das Land ein sehr hohes naturrĂ€umliches Potenzial.
Rund 60 Prozent des Landes nimmt das Kongobecken mit seinen tropischen RegenwĂ€ldern ein. Es ist an allen Seiten von BergzĂŒgen mit Höhen zwischen 500 und 1000 Metern umgeben. Im SĂŒden wird es vom Katanga-Bergland (frĂŒhere Bezeichnung: Shaba-Bergland) begrenzt, einem Teil der Lundaschwelle. Im SĂŒden und Osten des Landes steigen die BergzĂŒge zu Hochgebirgen auf, wie die Mitumba-Berge und die Kundelungu-Berge im SĂŒden und die Zentralafrikanische Schwelle und die Virunga-Vulkane im Osten. Sie erreichen Höhen von bis zu 4500 Metern und sind reich an BodenschĂ€tzen wie Kupfer und Uran. Die höchste Erhebung ist mit 5109 Metern die Margherita-Spitze im Ruwenzori-Gebirge an der Grenze zu Uganda. Im Ă€uĂersten Osten des Landes an der Grenze zu Ruanda befindet sich der Kiwusee.
Die Oxisolböden im Kongobecken sind oft stark verwittert und weisen nur eine geringe Fruchtbarkeit auf, wĂ€hrend die höher gelegenen Gebiete im Norden und SĂŒden fruchtbar sind und zum Ackerbau genutzt werden.
Der Osten birgt bedeutende BodenschÀtze. Hier wurde beispielsweise Erdgas gefunden, im Osten und Nordosten auch Gold und Zinn.cite-ref-ll-8-0[8]
Klima
In der Demokratischen Republik Kongo herrscht aufgrund der geographischen Lage ein Ăquatorialklima vor. In den meisten Landesteilen gibt es daher ein sehr warmes, tropisches Feuchtklima mit einer Durchschnittstemperatur von rund 20 °C in der Trockenzeit und rund 30 °C in der Regenzeit. Das Klima wird relativ wenig durch Jahreszeiten wie Trocken- und Regenzeit beeinflusst. Dennoch gibt es wegen der sehr groĂen LandesflĂ€che regionale DisparitĂ€ten.cite-ref-9[9]
Durch die nördliche Landesmitte, in welcher die StĂ€dte Mbandaka und Kisangani liegen, verlĂ€uft der Ăquator. In diesem rund 300 Kilometer breiten Gebiet gibt es das ganze Jahr ĂŒber heftige RegenfĂ€lle, die durchschnittlich rund 1500â2000 mm betragen, wĂ€hrend die Temperatur konstant bei rund 26 °C bleibt.
Kinshasas Klima ist gekennzeichnet durch eine Jahresdurchschnittstemperatur von ĂŒber 25 °C sowie eine Wechselfolge zwischen den Trockenzeiten (vier Monate insgesamt) und den Regenzeiten, welche ihre extremste AusprĂ€gung in den Monaten November und April haben. Im ganzen Jahr fallen in Kinshasa insgesamt rund 1400 mm Regen.
Im Norden des Landes lĂ€sst der groĂe WaldflĂ€chenanteil, der typisch fĂŒr das Ăquatorialklima ist, Platz fĂŒr eine Baumsavanne. Dort beginnt die Trockenzeit, anders als im SĂŒden, meist zwei bis drei Monate vor dem Jahreswechsel und endet rund zwei bis drei Monate nach dem Jahreswechsel. Deshalb fallen hier rund 90 % der JahresniederschlĂ€ge in der Zeit zwischen MĂ€rz und November.cite-ref-mgl-10-0[10]
Im SĂŒden beginnt eine Zone des tropischen Klimas, die mit einer Trockenzeit (drei bis sechs Monate, meist Mai bis September) und einer Regenzeit (sechs bis neun Monate, meist Oktober bis April) ausgeprĂ€gte Jahreszeiten aufweist. So gibt es zum Beispiel in Lubumbashi in der Provinz Haut-Katanga sogar sechs Monate relativer Trockenheit und sehr ausgeprĂ€gte Tages-Nacht-Temperaturschwankungen.
Der gebirgige Ostteil des Landes ist von Höhenklima geprĂ€gt und deutlich kĂŒhler im Vergleich zu den anderen Gebieten. Da die Temperatur dort pro 80 Höhenmeter um durchschnittlich 1 °C sinkt, kann man namhafte klimatische und ökologische Unterschiede beim Anstieg der Gebirge im Nationalpark Virunga und der GefĂ€lle des Ruwenzori-Gebirges feststellen. An den höchsten Punkten dieser Gebiete ist sogar Schneefall nicht ungewöhnlich. Hier fallen auch die meisten NiederschlĂ€ge des Landes.
Im kleinen KĂŒstengebiet im Ă€uĂersten Westen, wo auch der Kongo-Fluss mĂŒndet, senkt der kalte Benguelastrom Temperatur und Niederschlagsmenge deutlich ab, sodass es beispielsweise in der Stadt Boma im Jahr durchschnittlich weniger als 800 mm Niederschlag gibt.cite-ref-11[11]
GewÀsser
Der gröĂte und lĂ€ngste Fluss, der durch die Demokratische Republik Kongo flieĂt, ist der Kongo mit 4374 Kilometern LĂ€nge. Er ist nach dem Nil der zweitlĂ€ngste Fluss des afrikanischen Kontinents. Gemessen an seiner WasserfĂŒhrung von 39.160 mÂł/s ist er der gröĂte Fluss Afrikas und der zweitgröĂte Fluss weltweit. Der Kongo entspringt im SĂŒden des Landes in der Provinz Haut-Katanga im Mitumba-Gebirge und flieĂt etwa 1000 Kilometer nach Norden, von wo er nach WestsĂŒdwesten umgelenkt wird. Hier besteht auch ein Binnendelta. AnschlieĂend bildet er die Grenze zwischen der Demokratischen Republik Kongo und der Republik Kongo, bevor er schlieĂlich in den Atlantischen Ozean mĂŒndet. Zahlreiche FlĂŒsse mĂŒnden in den Kongo. Der mit einer WasserfĂŒhrung von 9.873 mÂł/s bei weitem gröĂte dieser NebenflĂŒsse ist der aus Angola kommende Kasai, der ebenfalls mehrere NebenflĂŒsse aufweist und in den Gebirgen im SĂŒden entspringt. Ein ebenfalls im SĂŒden entspringender linker Nebenfluss des Kongo, der Lomami, hat sein Quellgebiet in der Provinz Haut-Lomami. Der gröĂte von Norden kommende Zufluss des Kongos ist der Ubangi, der nahezu ĂŒber seine gesamte LĂ€nge die Grenze zur Zentralafrikanischen Republik und zur Republik Kongo bildet.
Siehe auch
:
Liste der FlĂŒsse in der Demokratischen Republik Kongo
Die 40 Kilometer lange KĂŒste nördlich der KongomĂŒndung in den Ozean stellt die einzige Ăffnung zum Atlantischen Ozean dar. Im Osten des Landes befindet sich die Seenkette des GroĂen Afrikanischen Grabens, die die Ostgrenze bildet. Dazu gehören unter anderem (von Nord nach SĂŒd) der Albertsee, Eduardsee, Kiwusee und Tanganjikasee.
Flora und Fauna
In der Demokratischen Republik Kongo existieren hauptsĂ€chlich zwei Vegatationskategorien: Wald und Savanne. Dies ist abhĂ€ngig von der Höhenlage, die unterschiedliche klimatische Bedingungen bewirkt.cite-ref-12[12] Hier findet man die gröĂten noch existierenden Regenwaldgebiete Afrikas. Da dort neben einer sehr groĂen Artenvielfalt und BiodiversitĂ€t ausgesprochen viele endemische Arten, Gattungen und Familien von Pflanzen und Tieren und vielfĂ€ltige Ăkosysteme vorkommen, wird der Staat zu den MegadiversitĂ€tslĂ€ndern dieser Erde gerechnet. Der kongolesische Teil des Ruwenzori-Gebirges steht als Bestandteil des Nationalparks Virunga unter Schutz. 1994 wurde ein groĂer Teil des Ruwenzori von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklĂ€rt.cite-ref-13[13]
Rund zwei Drittel der LandesflĂ€che sind von tropischem Regen- und Höhenwald bedeckt. In höheren Lagen in ĂquatornĂ€he gibt es vor allem Bergregenwald, Wolken- und Nebelwald. Hier findet man vorrangig BĂ€ume und Pflanzen mit langen StĂ€mmen, dĂŒnner Baumrinde und festen BlĂ€ttern. Beispiele hierfĂŒr sind der Gummibaum und Hartholzpflanzen wie der Teakbaum und MahagonigewĂ€chse. AuĂerdem gibt es dort Ălpalmen, WĂŒrgefeigen und Aufsitzerpflanzen wie Orchideen. Nördlich und sĂŒdlich der Regenwaldregion befinden sich 200 und 500 Kilometer breite Streifen mit Feuchtsavanne. Diese Verteilung ist niederschlagsbedingt und grĂŒndet sich auf die innertropische Konvergenzzone (ITC). Eine im Feuchtsavannengebiet vorkommende Pflanzengattung ist die Wolfsmilch. Die Feuchtsavanne geht schlieĂlich in die Trockensavanne mit Miombowaldgebieten ĂŒber. Die typische Vegetation besteht dort hauptsĂ€chlich aus Akazien und Sukkulenten.
Obwohl einige SĂ€ugetiere wie der Löwe, das Steppenzebra, der Schakal, die HyĂ€ne sowie eine Reihe von Antilopenarten bevorzugt in den Savannenregionen leben, gibt es vor allem durch den hohen Waldanteil mit insgesamt 415 sehr viele verschiedene SĂ€ugetierarten im Land.cite-ref-ll-8-1[8] Insbesondere fĂŒnf als UNESCO-Welterbe ausgezeichnete Schutzgebiete, die vier Nationalparks Garamba, Kahuzi-BiĂ©ga, Salonga und Virunga sowie das Okapi-Wildtierreservat, stellen einen wichtigen Lebensraum fĂŒr viele SĂ€ugetiere wie Bonobos, Ăstliche Gorillas, Okapis und Afrikanische BĂŒffel dar. Besonders die Vielfalt an Menschenaffen ist bemerkenswert: Die Demokratische Republik Kongo beherbergt als weltweit einziges Land drei Menschenaffenarten: neben dem Ăstlichen Gorilla und dem Bonobo auch den Schimpansen. Diese sind dort allerdings kaum noch aufzufinden und akut vom Aussterben bedroht. Auch die Lage der Bonobos ist bedrohlich: die Gesamtzahl der Bonobos in der Wildnis ist unbekannt, weil bisher entsprechende Erhebungen nur in etwa 30 Prozent des Verbreitungsgebietes durchgefĂŒhrt wurden. Der Salonga-Nationalpark ist das mit Abstand wichtigste Habitat, dort lebten im Jahr 2022 rund 15.000 Tiere und damit etwa 40 Prozent aller Bonobos.cite-ref-14[14] Vor den 1980er Jahren lag die geschĂ€tzte Gesamtzahl bei ĂŒber 100.000. Hauptgrund des Aussterbens der Menschenaffen sind Wilderer, die das Bushmeat als Delikatesse in den StĂ€dten verkaufen.cite-ref-mgl-10-1[10]
Auch bei anderen SĂ€ugetieren besteht das Problem des Artensterbens. Doch im Gegensatz zur Delikatesse Affenfleisch werden andere bedrohte Tierarten vor allem aufgrund des immensen Proteinbedarfs der wegen der sehr hohen FertilitĂ€tsrate der Frauen schnell wachsenden Bevölkerung gejagt. Oftmals ist das Jagen geschĂŒtzter Tierarten fĂŒr Landesbewohner ĂŒberlebenswichtig. Doch auf diese Weise schrumpften die BestĂ€nde mancher Wildtierarten so sehr, dass einige Arten laut Forschungsprognosen schon in rund 50 Jahren ausgestorben sein könnten.cite-ref-15[15]
Auch die anderen Tierklassen lassen sich in groĂer Zahl finden. Es gibt 268 verschiedene Reptilienarten und je ĂŒber eintausend Fisch- und Vogelarten. Sehr groĂ ist auch die Anzahl an Insektenarten. So gibt es allein ĂŒber 1300 verschiedene Arten von Schmetterlingen. In keinem anderen Land weltweit ist dieser Wert gröĂer.cite-ref-16[16]
Im Januar 2025 verkĂŒndete die DR Kongo die Errichtung eines Schutzgebiets mit rund 108.000 kmÂČ Regenwald.cite-ref-17[17]
StÀdte
Die mit Abstand gröĂte Agglomeration des Landes ist die Hauptstadt Kinshasa mit gut 16 Millionen Einwohnern. Damit konzentrieren sich 14 % der Bevölkerung der Demokratischen Republik Kongo auf dieses Gebiet. Neben der GroĂregion Kinshasa konzentriert sich die Bevölkerung vor allem auf die Bergbauprovinzen Katanga, KasaĂŻ-Occidental und KasaĂŻ-Oriental.
Die Stadtbevölkerung steigt in fast allen GroĂstĂ€dten des Staates durch anhaltende Landflucht stark an. Im Jahr 2023 lebten 47 Prozent der Einwohner der Demokratischen Republik Kongo in StĂ€dten.cite-ref-bevstadt-18-0[18] Im Landesosten können die Einwohnerzahlen, bedingt durch FlĂŒchtlingsbewegungen, erheblich schwanken.
| Rang | Stadt | Einwohner (2023) | Provinz |
|---|---|---|---|
| 0 1 | Kinshasa | 16.316.000 | Kinshasa |
| 0 2 | Mbuji-Mayi | 2.892.000 | KasaĂŻ-Oriental |
| 0 3 | Lubumbashi | 2.812.000 | Katanga |
| 0 4 | Kisangani | 1.602.144 | Orientale |
| 0 5 | Bukavu | 1.249.000 | Sud-Kivu |
| 0 6 | Kananga | 1.169.000 | Kasai-Occidental |
| 0 7 | Tshikapa | 00 1.006.388 [ 19 ] | Kasai-Occidental |
| 0 8 | Mbandaka | 470.307 [ 20 ] | Ăquateur |
| 0 9 | Goma | 00 461.306 | Nord-Kivu |
| 10 | Likasi | 00 460.959 | Katanga |
| 11 | Kolwezi | 00 454.287 | Katanga |
Siehe auch
:
Liste der StÀdte in der Demokratischen Republik Kongo
Bevölkerung
â
Hauptartikel
:
Demografie der Demokratischen Republik Kongo
Demographie
Die Demokratische Republik Kongo hatte im Jahr 2022 insgesamt 99,0 Millionen Einwohner und ist damit der viertbevölkerungsreichste Staat Afrikas.cite-ref-22[22] Das jĂ€hrliche Bevölkerungswachstum betrug + 3,2 %. Zum Bevölkerungswachstum trug ein GeburtenĂŒberschuss (Geburtenziffer: 41,7 pro 1000 Einwohnercite-ref-23[23] vs. Sterbeziffer: 9,4 pro 1000 Einwohnercite-ref-24[24]) bei. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 6,1, die der Region West- und Zentralafrika betrug 4,9.cite-ref-gebrat-25-0[25] Der Median des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2021 bei 15,6 Jahren.cite-ref-26[26] Im Jahr 2023 waren 46,5 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre,cite-ref-27[27] wĂ€hrend der Anteil der ĂŒber 64-JĂ€hrigen 2,9 Prozent der Bevölkerung betrug.cite-ref-28[28] Der Kongo hat damit eine der jĂŒngsten Bevölkerungen der Welt. Im weltweiten Vergleich hat das Land laut Fund For Peace die problematischste Demografieentwicklung aller Staaten.cite-ref-29[29] Eine VolkszĂ€hlung fand zuletzt 1984 statt. Damals lag die Bevölkerungszahl noch bei etwa 30 Millionen, seitdem hat sich die Bevölkerungszahl also mehr als verdreifacht. FĂŒr Mitte des Jahrhunderts wird deshalb mit ĂŒber 200 Millionen Einwohnern in der DR Kongo gerechnet.cite-ref-wpp-2022-21-1[21] Die Bevölkerungsdichte ist mit etwas mehr als 43 Einwohner pro kmÂČ eher gering.
Die Lebenserwartung der Einwohner der Demokratischen Republik Kongo ab der Geburt lag 2022 bei 59,7 Jahrencite-ref-leberw-30-0[30] (Frauen: 62,1cite-ref-31[31], MĂ€nner: 57,5cite-ref-32[32]).
Der Statistische Dienst des Landes ist das Institut National de la Statistique mit Sitz in Kinshasa. In allen Provinzen des Landes gibt es von ihm eine Dienststelle.
Bevölkerungsstruktur
WĂ€hrend der Kolonialzeit wurden auch im Kongo Ethnien konstruiert.cite-ref-33[33] Einige dieser ethnischen IdentitĂ€ten beruhen auf prĂ€modernen Stammeszugehörigkeiten, andere, wie zum Beispiel die Baluba, wurden gĂ€nzlich neu konstruiert.cite-ref-34[34] Heute existieren weit mehr als 200 Ethnien in der DRK. Von den Angehörigen dieser Ethnien werden etwa 80 Prozent zu den Bantu gezĂ€hlt. Die meisten Bewohner des Landes werden nur einigen wenigen Ethnien zugerechnet, davon die vier groĂen Bantuvölker: die beiden gröĂten Gruppen sind Bakongo (16 Prozent) und Baluba (18 Prozent), daneben sind auch die Mongo (13 Prozent) und die Banjaruanda (10 Prozent) zahlenmĂ€Ăig stark.
Weitere 18 Prozent der Gesamtbevölkerung gehören zu Völkern, die Zentralsudanische Sprachen sprechen. 2 Prozent sind Niloten und 20.000 bis 50.000 Mbuti.cite-ref-fischer-35-0[35] Von den etwa 100.000 EuropĂ€erncite-ref-j29-36-0[J 1] (ĂŒberwiegend Belgier), die zum Zeitpunkt der UnabhĂ€ngigkeit im Land lebten, sind bis heute etwa 20.000 geblieben.cite-ref-fischer-35-1[35]
Bereits vor der UnabhĂ€ngigkeit schĂŒrte die belgische Kolonialmacht RivalitĂ€ten zwischen den Volksgruppen; diese werden bis heute als maĂgebliche Ursache fĂŒr die Kriege und Konflikte im Land genannt.cite-ref-mgfa-37-0[36]
Sprachen
In der Demokratischen Republik gibt es eine Sprachenvielfalt, die im Land Ă€hnlich groĂ ist wie die Vielfalt an Volksgruppen: Insgesamt wird die Anzahl der Sprachen und Dialekte des Kongo mit 214 angegeben.cite-ref-mgfa-37-1[36] Aufgrund der kolonialen Vergangenheit nimmt das Französische den Rang der Amts-, Literatur- und Bildungssprache ein. Daneben gibt es vier offizielle Nationalsprachen: Lingala, Kikongo ya leta, Tschiluba und eine kongolesische Variante des Swahili, deren Rechtschreibung 1974 geregelt wurde. Auch diese wurden in der Kolonialzeit von Belgien festgelegt, um die Sprachenvielfalt zu begrenzen. Kikongo ya leta wird vor allem in den beiden Provinzen Kongo Central und Bandundu gesprochen,cite-ref-40[39]cite-ref-41[40] wĂ€hrend Tshiluba vor allem in den beiden Provinzen Kasai-Occidental und KasaĂŻ-Oriental gesprochen wird. Der Ursprung des Lingala befindet sich in dem Land selbst. Diese Sprache, die der Volksgruppe der Bangala zuzuordnen ist, breitete sich aus der Region Ăquateur entlang der FlĂŒsse aus. Gefördert wurde diese Ausbreitung durch die EuropĂ€er, die sie als Kommunikationssprache nutzten, spĂ€ter durch die Diktatur von Mobutu, der sich durch die Medien auf Lingala an sein Volk wandte, und heute durch die Popmusik. Swahili ist eine Verkehrssprache in ganz Ostafrika, welche, wenngleich sie im Kongo wenig Muttersprachler hat, diesen Status auch im Osten des Landes besitzt.cite-ref-malu26-42-0[41] AuĂerdem wurde nach dem Ende des Mobutu-Regimes Swahili offizielle Armeesprache und dadurch im gesamten Landesgebiet zunehmend populĂ€r.cite-ref-43[42] Artikel 1 der Verfassung bestimmt neben Französisch als âoffizielle Spracheâ: «⊠langues nationales sont le kikongo, le lingala, le swahili et le tshiluba» (Nationalsprachen sind Kikongo, Lingala, Swahili und Tschiluba). Laut Artikel 142 sind alle Gesetze binnen 60 Tagen in diesen Sprachen zu veröffentlichen. Im Osten des Landes ist Swahili die vorherrschende Sprache der Kommunikation und wird auch in Schulen und auf Ămtern benutzt. Weitere Sprachen sind beispielsweise das mit Tschiluba nah verwandte Kiluba, Chokwe und Kikongo.
In den nationalen Medien herrscht unter den vier Sprachen weitgehende Gleichverteilung; in den Regionalmedien wird jedoch die jeweilige Regionalsprache bevorzugt.cite-ref-malu26-42-1[41] Schriftsprache ist weiterhin Französisch, doch in der jĂŒngsten Vergangenheit werden oft französischsprachige Texte mit Wörtern der einheimischen Sprachen verknĂŒpft, denen hĂ€ufig die Funktion eines Stilmittels zukommt.cite-ref-44[43]
Religionen
| Religionsgemeinschaft | Anteil [ 44 ] der Bevölkerung |
|---|---|
| Römisch-katholische Kirche | 50 % |
| Protestantismus | 20 % |
| Kimbanguismus | 10 % |
| Islam | 10 % |
| Synkretismus | 10 % |
| Traditionelle Religionen | 10 % |
| Anmerkung: Bei den Werten handelt es sich um SchÀtzungen des Deutschen AuswÀrtigen Amtes. Andere Angaben weichen teilweise deutlich ab. | Anmerkung: Bei den Werten handelt es sich um SchÀtzungen des Deutschen AuswÀrtigen Amtes. Andere Angaben weichen teilweise deutlich ab. |
Indigene Religionen
Indigene Glaubenssysteme drehen sich meist um die Geister der Vorfahren und um Hexer und Zauberer (ndoki), die mit diesen kommunizieren können. Des Weiteren glaubt man an die Existenz von Geistern des Wassers, der Fruchtbarkeit und Ă€hnlichen MĂ€chten (mbumba), die entweder unsichtbar sind oder in Form von natĂŒrlichen Objekten (besonders geformten Felsen, BĂ€umen oder auch Menschen mit besonderen Eigenschaften wie Albinos) annehmen und die entsprechend verehrt werden. Die Vorstellung von DĂ€monen, vor denen man sich schĂŒtzen muss, verlangt die Herstellung von Fetischen und anderen Objekten.cite-ref-46[45]
Katholische Kirche
Die dominierende Religion ist das Christentum und innerhalb dessen die römisch-katholische Kirche. Bereits nach dem ersten Kontakt mit den portugiesischen Entdeckern unter Diogo CĂŁo im Jahr 1482 blieben Missionare im Land. Anfang des 16. Jahrhunderts wurden die ersten Schulen gebaut, und man ĂŒberzeugte den König und seine unmittelbare Umgebung, sich taufen zu lassen. Die Region der Kongo-MĂŒndung gehört somit neben Angola und Mosambik zu jenen Gebieten in Afrika, in denen die MissionierungsbemĂŒhungen der Portugiesen am erfolgreichsten waren.cite-ref-47[46]
Nach dem Zerfall des Königreichs gab es im 19. Jahrhundert eine zweite Phase der Missionierung. 1878 errichteten protestantische Missionare in der heutigen Hafenstadt Matadi einen ersten Posten. Die frĂŒheste katholische Mission dieser âzweiten Evangelisierung des Kongoâ entstand 1880 in Boma. Die Kongregation vom Unbefleckten Herzen Mariens (Congregatio Immaculati Cordis Mariae, CICM) ĂŒbernahm das 1886 gegrĂŒndete âApostolische Vikariat Belgisch-Kongoâ und errichtete Missionsstationen in Kwamouth (1888) und Leopoldville (1899). 1892 grĂŒndeten Jesuiten in Kwango ihre erste Missionsstation. Andere Orden folgten. 1906 sicherte eine Ăbereinkunft zwischen dem Vatikan und Leopold II. den katholischen belgischen Missionen je 100 bis 200 Hektar unbefristeten Landbesitz zu. Bedingung war, dass jede Missionsstation eine Schule unter staatlicher Aufsicht zur landwirtschaftlichen und handwerklichen Ausbildung unterhielt. Nach dem Ersten Weltkrieg betrieben 22 Missionsgesellschaften von Belgien aus die Kongo-Mission. Vor allem das Schulsystem war in katholischer Hand. 1926 wurden alle staatlichen Schulen im Kongo den katholischen Missionen anvertraut, wobei die Kolonialregierung betrĂ€chtliche Summen fĂŒr den Betrieb zur VerfĂŒgung stellte. Nichtkatholische Schulen erhielten erst ab 1946 staatliche UnterstĂŒtzung. Die Voraussetzung fĂŒr den Schulbesuch der Kinder war die Taufe. 1930 gab es 640.000 Katholiken (zehn Prozent der Gesamtbevölkerung). 1959 waren es 5,5 Millionen (40 Prozent). Mit dem System der Missionsstationen, die Kirche, Schule und Krankenhaus an einem Ort zusammenfĂŒhrten, bildete die katholische Kirche im ganzen Land eine Infrastruktur aus, die sich bis heute erhalten hat. Sie wuchs damit zu einer mĂ€chtigen Kraft in der Gesellschaft.
Das VerhĂ€ltnis von Kirche und Staat war bis zur staatlichen UnabhĂ€ngigkeit von verschiedenen Tendenzen geprĂ€gt. Die ersten Missionare sahen durch ihre NĂ€he zur einheimischen Bevölkerung Unterschiede zwischen dem kolonialen System wirtschaftlicher Ausbeutung und einer Entwicklung gemÀà christlich-sozialen Vorstellungen und standen dem Unternehmen König Leopolds II. hĂ€ufig kritisch gegenĂŒber. Die groĂen Missionsstationen nach dem Ersten Weltkrieg banden die Missionare jedoch enger in das koloniale System ein. Der UnabhĂ€ngigkeitsbewegung stimmten fĂŒhrende Kirchenvertreter zunĂ€chst nur zögernd zu.
Anfang der 1970er Jahre stellte sich Mobutu mit seiner Kampagne der âAuthentizitĂ€tâ auch gegen das Christentum und die katholische Kirche. Christliche Vornamen wurden verboten. Die katholischen Schulen und die katholische UniversitĂ€t wurden verstaatlicht. SpĂ€ter wurden die Schulen wieder an die Kirche zurĂŒckgegeben, da der staatliche Apparat mit deren Verwaltung und FĂŒhrung ĂŒberfordert war. In den 1970er Jahren entstanden einheimische Schwesternkongregationen. Mehr Schwarze wurden zu Priestern geweiht, FĂŒhrungspositionen in der Kirche mit Afrikanern besetzt. Der Vatikan erkannte einen eigens entworfenen Zairischen Messritus offiziell an.
Bei der beginnenden Demokratisierung zu Beginn der 1990er Jahre spielte die katholische Kirche eine bedeutende Rolle. Laurent Monsengwo Pasinya, der damalige Erzbischof von Kisangani und spĂ€tere Erzbischof von Kinshasa, wurde zum PrĂ€sidenten der Nationalkonferenz (ConfĂ©rence Nationale Souveraine) gewĂ€hlt. Als Mobutu im Januar 1992 die Nationalkonferenz auflöste, protestierten weite Teile der Bevölkerung mit dem berĂŒhmten âMarsch der Christenâ. Nach dem Sturz Mobutus und den anschlieĂenden Kriegen riefen die FĂŒhrer religiöser Gemeinschaften zum Frieden auf und forderten Demokratisierung. Die Bischofskonferenz hat ein stĂ€ndiges BĂŒro eingerichtet, das den Demokratisierungsprozess unterstĂŒtzt. Im Konflikt zwischen afrikanischen Staaten engagiert sich die katholische Kirche auf der Ebene der gemeinsamen Bischofskonferenz von Burundi, Ruanda und Kongo fĂŒr Dialog und Versöhnung. Finanziell und teilweise auch personell ist sie noch immer vom Ausland abhĂ€ngig.cite-ref-48[47] Im November 2010 wurde mit Laurent Monsengwo Pasinya auch erstmals ein Kongolese Kardinal.
Protestantische Kirchen
1878 kamen die ersten protestantischen Missionare in die Kongo-Region. WĂ€hrend der Existenz des Kongo-Freistaats (1885 bis 1908) veröffentlichten einige von ihnen die missbrĂ€uchliche Behandlung und Ausbeutung von einheimischen Arbeitern durch die Kolonialgesellschaften und die Kolonialverwaltung. Dies fĂŒhrte mit dazu, dass Leopold II. seinen âFreistaatâ an Belgien ĂŒbergeben musste. Im Unterschied zur katholischen Kirche, die enger mit dem Staat und den Kolonialgesellschaften verbunden war, genossen die protestantischen Missionare zunĂ€chst weniger Vertrauen von Seiten der Regierung und bekamen staatliche UnterstĂŒtzung fĂŒr von ihnen betriebene KrankenhĂ€user und Schulen erst nach dem Zweiten Weltkrieg.
Der Kolonialstaat hatte den verschiedenen Missionsgesellschaften unterschiedliche Territorien zugewiesen. Zur Zeit der UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung waren etwa 46 protestantische Gruppen aktiv, zumeist aus Nordamerika, GroĂbritannien und Skandinavien. Sie waren zunĂ€chst locker in einem Komitee verbunden. SpĂ€ter schlossen sie sich zur âEglise du Christâ (âKirche Christiâ) zusammen. Dieser Verbund wurde stark von Diktator Mobutu kontrolliert. Seit der UnabhĂ€ngigkeit gingen das Eigentum der Missionsgesellschaften und die internen FĂŒhrungspositionen zunehmend in die HĂ€nde von Einheimischen ĂŒber. Die Regierung Mobutu suchte durch enge Verbindungen zur FĂŒhrung der âKirche Christiâ ein Gegengewicht zur Kritik der mĂ€chtigen katholischen Kirche aufzubauen. Im Gegenzug half die Regierung dem protestantischen Kirchenbund, neue religiöse Bewegungen und Splittergruppen durch rechtliche und formale Hindernisse in deren Ausbreitung zu behindern.cite-ref-49[48]
Afrikanische Kirchen
Die Kimbanguistenkirche wird zu den afrikanischen Kirchen gezĂ€hlt. Sie wurde wĂ€hrend der Kolonialzeit von Simon Kimbangu gegrĂŒndet, der sich als Erlöser der Schwarzen von der belgischen UnterdrĂŒckung ausgab. Die Kimbanguisten ĂŒberstanden die BekĂ€mpfung durch die Kolonialmacht und haben heute je nach Quelle zwischen 5 Millionencite-ref-50[49] und 10 Millionen AnhĂ€nger.cite-ref-51[50]
Der bis nach Europa verbreitete pfingstlerische Combat Spirituel hat sein Zentrum im Kongo und allein in Kinshasa rund 50.000 Mitglieder. Der ehemalige StaatsprĂ€sident Joseph Kabila ist der prominenteste AnhĂ€nger dieser Religionsgruppe. Der Combat Spirituel wird von der Ăffentlichkeit kritisch gesehen, seitdem bekannt wurde, dass vereinzelte Mitglieder gewaltsame Exorzismusriten an Kindern ausfĂŒhren. Die Leitung der Kirche distanziert sich zwar von diesen VorfĂ€llen, bekennt sich allerdings zum grundsĂ€tzlichen Glauben an die Hexerei von Kindern.cite-ref-52[51]
Seit der UnabhĂ€ngigkeit haben sich zahlreiche weitere christliche Mikrokirchen und Sekten gebildet. Ihre Zahl ist von einem Dutzend in den 1960er Jahren auf ĂŒber 1000 heute angestiegen. Sie bilden sich hĂ€ufig um charismatische, wirtschaftlich erfolgreiche Personen, wobei magische Praktiken eine bedeutende Rolle spielen (z. B. Unverletzbarkeit von Kriegern mittels Verabreichung von Weihwasser).cite-ref-53[52] Vielfach zeigt sich eine enge Verflechtung religiöser und erfolgsorientierter materieller Motive.
Soziale Situation
Die Bevölkerung der Demokratischen Republik Kongo zĂ€hlt zu den Ă€rmsten der Welt. Eine Untersuchung der kongolesischen Regierung von 2006 ergab folgende Zahlen: 76 % der Bevölkerung konnten ihre Kinder nicht zur Schule schicken, 79 % waren unterernĂ€hrt, 81 % hatten keinen ausreichenden Wohnraum und 82 % keinen Zugang zu medizinischer Versorgung.cite-ref-elikia-54-0[53] Im Jahr 2012 lebten nach Angaben der Weltbank 77,1 % der Bevölkerung von weniger als 2 Dollar pro Tag und damit in absoluter Armut.cite-ref-55[54] Die Armut ist recht unterschiedlich verteilt, in der Ă€rmsten Provinz Ăquateur oder in den besonders vom Krieg betroffenen Kivuprovinzen wurden die höchsten Werte festgestellt.cite-ref-56[55] Im Jahr 2023 informierte das Bundesministerium fĂŒr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) darĂŒber, dass laut Weltbank mehr als 60 Prozent der kongolesischen Bevölkerung in extremer Armut lebten. Etwa jedes zwölfte Kind sterbe vor seinem fĂŒnften Geburtstag. 40 Prozent der Bevölkerung gelten als chronisch unterernĂ€hrt. Der Welthunger-Index (WHI) 2022 bewertet die Lage im Land laut dem BMZ als âsehr ernstâ. Das tatsĂ€chliche AusmaĂ der Krise zu beurteilen sei schwierig, da es an verlĂ€sslichen statistischen Daten fehle.cite-ref-0-57-0[56] Nach Angaben des Amtes der Vereinten Nationen fĂŒr die Koordinierung humanitĂ€rer Angelegenheiten (OCHA) waren im Juli 2023 ganze 27 Millionen der rund 99 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner auf humanitĂ€re Hilfe angewiesen.cite-ref-0-57-1[56]
In den Provinzen Ituri, Kivu und Kasai im Osten des Landes litten im Jahr 2018 rund fĂŒnf Millionen Menschen an Hunger.cite-ref-58[57] Seit dem Wiederaufflammen der KĂ€mpfe in der Provinz Nord-Kivu im Jahr 2022 mussten allein dort etwa 2.000 Schulen schlieĂen. Vor allem in den Vertriebenenlagern nahm die Zahl der CholerafĂ€lle zu. Zwischen MĂ€rz 2022 und MĂ€rz 2023 wurden mehr als 880.000 Menschen aus den umkĂ€mpften Gebieten im Osten des Staates vertrieben.cite-ref-0-57-2[56]
Sozialsystem
Das Sozialsystem des Landes zĂ€hlt zu den schlechtesten der Welt. Theoretisch ist das seinerzeit vorbildliche, noch aus der Kolonialzeit stammende Sozialversicherungssystem weiterhin in Kraft.cite-ref-59[58] Faktisch ist es aber nicht funktionsfĂ€hig, allein schon deshalb, weil es heute kaum feste ArbeitsverhĂ€ltnisse gibt.cite-ref-j111-60-0[J 2] Ab 1992 stellte die Regierung jahrelang den Unterhalt der Sozialsysteme komplett ein. Staatsbedienstete erhielten keine GehĂ€lter mehr.cite-ref-61[J 3] Nach dem Sturz Mobutus versuchte die neue Regierung zwar, wieder GehĂ€lter zu bezahlen, dies geschah aber nur unregelmĂ€Ăig und reichte nicht aus, um den Lebensunterhalt zu bestreiten.cite-ref-62[J 4] Es bĂŒrgerte sich ein, dass jeder BĂŒrger staatliche Dienstleistungen direkt bezahlte. Solche Zahlungen, die sowohl an Lehrer und Ărzte als auch an Beamte oder Polizisten erfolgen, werden im kongolesischen Französisch als la motivation bezeichnet.cite-ref-63[J 5] Versuche der Regierung, diese Praxis zu verbieten und den Staatsbediensteten wieder GehĂ€lter zu bezahlen, hatten wenig Erfolg: Weder BĂŒrger noch Angestellte trauen der Regierung zu, dass diese regelmĂ€Ăig gezahlt werden.cite-ref-64[J 6]
Soziale Dienste werden vor allem von der katholischen Kirche betrieben, die unter anderem deswegen in der Bevölkerung ein hohes Ansehen genieĂt.cite-ref-65[J 7]
Gesundheit
| Zeitraum | Lebens- erwartung | Zeitraum | Lebens- erwartung |
|---|---|---|---|
| 1950â1955 | 39,1 Jahre | 1985â1990 | 48,3 Jahre |
| 1955â1960 | 40,6 Jahre | 1990â1995 | 49,6 Jahre |
| 1960â1965 | 41,6 Jahre | 1995â2000 | 48,9 Jahre |
| 1965â1970 | 43,0 Jahre | 2000â2005 | 51,8 Jahre |
| 1970â1975 | 44,8 Jahre | 2005â2010 | 55,5 Jahre |
| 1975â1980 | 45,6 Jahre | 2010â2015 | 58,1 Jahre |
| 1980â1985 | 47,1 Jahre | 2015â2020 | 60,2 Jahre |
Die medizinische Lage in der Demokratischen Republik Kongo ist sehr schlecht. Ein öffentliches Gesundheitssystem ist kaum vorhanden, viele der ohnehin kaum ausgebauten Einrichtungen wurden infolge des Krieges zerstört.cite-ref-j108-67-0[J 8] So gibt es nur einen Arzt pro 10.000 Menschen, in anderen Staaten ist dieser Wert teilweise 40-mal so hoch.cite-ref-undp-68-0[60] 2005 betrugen die Gesundheitsausgaben der Zentralregierung weniger als eine Million US-Dollar.cite-ref-69[J 9] Laut den Daten der WHO betrugen die Gesundheitsausgaben im Jahr 2009 rund 2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (circa 220 Millionen US-Dollar) oder umgerechnet etwa 3 US-Dollar pro Einwohner.cite-ref-70[61]
Zur mangelhaften Versorgungssituation kommt auch das Problem, dass in den lĂ€ndlichen Regionen nur 29 % und in den StĂ€dten 82 % der Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben.cite-ref-sodrk-71-0[62] Insgesamt belĂ€uft sich die Zahl der Kongolesen ohne Trinkwasserzugang laut einer UN-Studie von 2011 auf rund 51 Millionen, obwohl der Staat ĂŒber mehr als 50 Prozent der Wasserressourcen Afrikas verfĂŒgt.cite-ref-72[63] AuĂerdem besteht nur fĂŒr ein knappes Drittel der Kongolesen die Möglichkeit, SanitĂ€reinrichtungen zu nutzen. Durch den dadurch hervorgerufenen Mangel an Hygiene treten hĂ€ufig verschiedene Durchfallerkrankungen auf, ebenfalls weit verbreitet sind andere Infektionskrankheiten wie Typhus und Hepatitis A.cite-ref-fischer-35-2[35] Die Demokratische Republik Kongo hat eine der höchsten Kindersterblichkeitsraten, laut Angaben der UN waren es 2019 etwa 97 Tote pro 1000 Lebendgeborene unter fĂŒnf Jahren.cite-ref-wpp-2019-ii-3-2[3] Erhebungen aus dem Jahr 2010 kommen auf jĂ€hrlich 540.000 gestorbene Kinder unter fĂŒnf Jahren.cite-ref-73[64] Ebenfalls sehr hoch sind die Werte fĂŒr SĂ€uglings- (126 TodesfĂ€lle je 1000 Geburten) und MĂŒttersterblichkeit (580 TodesfĂ€lle pro 100.000 Geburten).cite-ref-sodrk-71-1[62] Laut Aussagen des PrĂ€sidenten der kongolesischen Kinderarztvereinigung von MĂ€rz 2013 gibt es im Kongo etwa 85 KinderĂ€rzte, davon etwa 50 in der Hauptstadt Kinshasa und 20 in der Provinz Katanga.cite-ref-74[65]
Weiterhin herrscht ganzjĂ€hrig ein sehr hohes Malariarisiko im gesamten Land, wĂ€hrend des Krieges soll allein diese Krankheit hunderttausende Tote pro Jahr gefordert haben, ĂŒber ein Drittel davon Kinder unter fĂŒnf Jahren. Sehr verbreitet ist auch die Schlafkrankheit, von der 1999 fast zwei Prozent der Bevölkerung betroffen waren.cite-ref-j108-67-1[J 8] Im Februar 2005 breitete sich in Bas-Uele im Nordwesten des Landes die Lungenpest aus, die WHO berichtete von 61 Toten. Eine weitere Ausbreitung konnte aber verhindert werden.cite-ref-75[66] Im Juni 2006 wurden weitere 100 Pesttote im Distrikt Ituri gemeldet.cite-ref-76[67]
In der Demokratischen Republik Kongo wurde das Zaire-Ebolavirus erstmals entdeckt, welches nach dem Fluss Ebola nahe dem Ursprungsort benannt wurde. Mit einer LetalitÀtsrate von 60 bis 90 Prozent ist dies die gefÀhrlichste Spezies des Ebolavirus, das in der Demokratischen Republik Kongo seit 1976 immer wieder auftritt.cite-ref-77[68]
Siehe auch
:
Ebolafieber-Epidemie 2018 bis 2020
Die HIV-Rate lag im Kongo 2012 bei rund 1,1 Prozent der Erwachsenen, was knapp einer halben Million Menschen entspricht. Dieser Wert ist verglichen mit den Daten anderer Staaten Subsahara-Afrikas eher niedrig. Die Krankheit fordert jedes Jahr rund 30.000 Todesopfer.cite-ref-cia-1-4[1]
Siehe auch
:
HIV/AIDS in Afrika
Bildung
Die Alphabetisierungsrate von rund 77 Prozent (MÀnner 88,5 Prozent, Frauen 66,5 Prozent, Zahlen von 2016) ist im Kongo weitaus besser als in Staaten wie Mali oder Niger.cite-ref-78[69] Dennoch ist sie durch den Krieg und die damit verbundene Auflösung vieler staatlicher Strukturen seit Mitte der 1990er Jahre deutlich gesunken, um sich mit Ende der Konflikte wieder zu erholen: Im Jahr 1995 konnten 77 Prozent der Menschen lesen und schreiben.cite-ref-mgl-10-2[10]
Schulen
Formal ist zwar eine Grundbildung vorgeschrieben (6. bis 12. Lebensjahr) und staatlich garantiert, faktisch ist aber ein öffentliches Bildungssystem kaum existent. Die meisten Schulen erhalten keine staatliche UnterstĂŒtzung. Daher mĂŒssen die Eltern die Lehrer direkt bezahlen.cite-ref-79[70] Bedingt durch den Krieg ging der Anteil der Kinder, die eine Schule besuchen, von rund 70 Prozent auf nunmehr etwa 40 Prozent zurĂŒck, weil fĂŒr groĂe Teile der Bevölkerung das Schulgeld unerschwinglich geworden ist.cite-ref-j111-60-1[J 2] Die UnterrichtsqualitĂ€t wird generell als schlecht betrachtet, sodass die erworbenen Kenntnisse zumeist unzureichend sind und viele Schulabsolventen keine angemessenen Lese- und Schreibkompetenzen vorweisen können. Ein weiteres Problem ist der Mangel an Lehrpersonal. 2008 kamen auf einen Lehrer 39 SchĂŒler.cite-ref-undp-68-1[60] Aufgrund der demographischen Entwicklung ist mit einer weiteren Verschlechterung des Bildungswesens zu rechnen.cite-ref-aa-45-1[44]
UniversitÀten
Bis zur Mitte der 1950er Jahre existierte im damaligen Belgisch-Kongo keine UniversitĂ€tsausbildung. Es gab einige AusbildungsstĂ€tten fĂŒr Lehrer, fĂŒr technische und medizinische Berufe, fĂŒr Agrarwissenschaft und öffentliche Verwaltung sowie religiöse Seminare. Diese fĂŒhrten jedoch nicht zu anerkannten StudienabschlĂŒssen. 1953 wurde in Kinshasa die Katholische UniversitĂ€t Lovanium gegrĂŒndet. Sie war eng verbunden mit der Katholischen UniversitĂ€t von Löwen in Belgien. 1956 wurde in Lubumbashi eine staatliche UniversitĂ€t eröffnet. 1963 entstand unter protestantischer Schirmherrschaft eine dritte UniversitĂ€t bei Kisangani. Nach der UnabhĂ€ngigkeit wurde eine Reihe von Fachhochschulen geschaffen.cite-ref-wbuni-80-0[71]
Im August 1971 wurden die drei UniversitĂ€ten zur UniversitĂ© Nationale du Zaire vereinigt, mit separaten Standorten in Kinshasa, Lubumbashi und Kisangani. Aufgrund von Problemen, die diese extreme Zentralisierung mit sich brachte, kam es im Jahr 1981 wieder zur Aufteilung in selbstĂ€ndige UniversitĂ€ten an diesen drei Orten.cite-ref-81[72]cite-ref-82[73] Die wiederhergestellten UniversitĂ€ten waren nun jedoch komplett in staatlicher Hand. Obwohl die Zentralisierung des UniversitĂ€tssystems letztendlich rĂŒckgĂ€ngig gemacht worden war, bestehen manche der 1971 geschaffenen Organe zur Koordination des kongolesischen UniversitĂ€tswesens bis heute.cite-ref-wbuni-80-1[71]
Im Jahr 1989 wurde das staatliche UniversitĂ€tsmonopol schlieĂlich offiziell beendet und die GrĂŒndung privater UniversitĂ€ten ermöglicht. In diese Zeit fiel auch eine generelle Krise des kongolesischen Bildungssektors. Wegen einer tiefen ökonomischen Krise konnte der Staat Bildungseinrichtungen kaum noch unterstĂŒtzen, eine Vielzahl von Stipendien wurde gestrichen und StudiengebĂŒhren wurden erhoben. Nachfolgende Studentenproteste wurden gewaltsam unterdrĂŒckt, was zu einer zweijĂ€hrigen SchlieĂung aller staatlichen UniversitĂ€ten fĂŒhrte. Durch diesen Niedergang der staatlichen UniversitĂ€ten erhielten private Institutionen mehr und mehr Zulauf. Trotz der offiziellen Ăffnung des Systems fĂŒr private Einrichtungen haben deren AbschlĂŒsse formal immer noch nicht dieselbe GĂŒltigkeit wie die staatlicher UniversitĂ€ten. Dies hat zur Folge, dass Absolventen privater UniversitĂ€ten nicht im öffentlichen Dienst arbeiten können und teilweise Probleme haben, ihr Studium beispielsweise im Ausland fortzufĂŒhren.cite-ref-wbuni-80-2[71]
Die kongolesischen UniversitĂ€ten gehörten einst zu den besten Afrikas. Heute ist die UnterrichtsqualitĂ€t unzureichend. Es fehlt sowohl an Lehrmaterial als auch an qualifiziertem Lehrpersonal. Korruption ist auch hier anzutreffen. So werden AbschlĂŒsse hĂ€ufig durch Bestechung erworben.cite-ref-aa-45-2[44]
Arbeitsmarkt
Zum Zeitpunkt der UnabhĂ€ngigkeit war ein Drittel der arbeitsfĂ€higen Bevölkerung in einem festen ArbeitsverhĂ€ltnis. Bis in die 1990er Jahre sank dieser Anteil auf 15 bis 20 Prozent, wobei die Einkommen erheblich gefallen waren und nicht mehr zum Leben ausreichten. Seitdem ist fast jeder gezwungen, zusĂ€tzliches Geld im informellen Sektor zu verdienen. Bereits in den 1980er Jahren war das reale Einkommen im Durchschnitt dreimal so hoch wie das offiziell gezahlte Gehalt.cite-ref-j55-83-0[J 10] Die Zahl fester ArbeitsverhĂ€ltnisse ging seitdem weiter zurĂŒck, wĂ€hrend des Krieges betrug ihr Anteil nicht einmal mehr 5 Prozent, ein Drittel der Bevölkerung verfĂŒgte ĂŒber gar kein Geldeinkommen.cite-ref-j111-60-2[J 2]
Landesname
Der Name der Demokratischen Republik Kongo Ă€nderte sich in der Vergangenheit mehrmals. Zeitweise verwendete das Land die gleiche amtliche Bezeichnung wie der Nachbarstaat Republik Kongo. Die folgende Tabelle gibt einen Ăberblick ĂŒber die historischen Bezeichnungen:
| Historische Namensgebung der Territorien des Kongo | Historische Namensgebung der Territorien des Kongo | Historische Namensgebung der Territorien des Kongo |
|---|---|---|
| ehemalige Belgische Kolonie | ehemalige Französische Kolonie (A) | ehemaliges Portugiesisches Protektorat |
| ab 1877 kolonialisiert | 1880er kolonialisiert (G) | ab 1885 Portugiesisch-Kongo |
| ab 1885 Kongo-Freistaat | ab 1903 Mittelkongo | ab 1885 Portugiesisch-Kongo |
| ab 1908 Belgisch-Kongo | 1910 Französisch-Kongo | ab 1885 Portugiesisch-Kongo |
| ab 1908 Belgisch-Kongo | ab 1958 Republik Kongo | 1956 Portugiesisch-Kongo unter gemeinsamer Verwaltung mit Angola |
| 30. Juni 1960 UnabhÀngigkeit | 15. August 1960 UnabhÀngigkeit | 1956 Portugiesisch-Kongo unter gemeinsamer Verwaltung mit Angola |
| 1960 Republik Kongo (genannt Kongo-Léopoldville ) 1960 Proklamation der Freien Republik Kongo durch lumumbistische AufstÀndische (von 26 Staaten anerkannt, nach etwa einem Jahr von Regierungstruppen zerschlagen) | 1960 Kongolesische Republik (genannt Kongo-Brazzaville ) | 1956 Portugiesisch-Kongo unter gemeinsamer Verwaltung mit Angola |
| 1961 Bundesrepublik Kongo (genannt Kongo-Léopoldville ) [ 74 ] [ 75 ] 1964 Proklamation der Volksrepublik Kongo durch AufstÀndische in Stanleyville (nur von 7 Staaten anerkannt, nach wenigen Monaten von Regierungstruppen zerschlagen) | 1960 Kongolesische Republik (genannt Kongo-Brazzaville ) | 1956 Portugiesisch-Kongo unter gemeinsamer Verwaltung mit Angola |
| 1964 Demokratische Republik Kongo (genannt Kongo-Léopoldville ) [ 76 ] | 1965 Republik Kongo (genannt Kongo-Brazzaville ) | 1956 Portugiesisch-Kongo unter gemeinsamer Verwaltung mit Angola |
| 1966 Demokratische Republik Kongo (genannt Kongo-Kinshasa ) | 1965 Republik Kongo (genannt Kongo-Brazzaville ) | 1956 Portugiesisch-Kongo unter gemeinsamer Verwaltung mit Angola |
| 1971 Republik ZaĂŻre | 1969 Volksrepublik Kongo | 1974 Portugiesisch-Kongo von Angola besetzt |
| 1991/92 (Kongo-Zaïre) Verfassungsentwurf der von Mobutu suspendierten Nationalen SouverÀnen Konferenz | 1969 Volksrepublik Kongo | 1974 Portugiesisch-Kongo von Angola besetzt |
| seit 1997 Kongo Demokratische Republik Demokratische Republik Kongo | seit 1991 Kongo Republik Republik Kongo | seit 1975 Cabinda Provinz ( Exklave ) von Angola Angola |
| (A) als Teil von Französisch-Ăquatorialafrika (G) 1888â1910 auch Gabun Teil von Französisch-Kongo | (A) als Teil von Französisch-Ăquatorialafrika (G) 1888â1910 auch Gabun Teil von Französisch-Kongo | (A) als Teil von Französisch-Ăquatorialafrika (G) 1888â1910 auch Gabun Teil von Französisch-Kongo |
Geschichte
â
Hauptartikel
:
Geschichte der Demokratischen Republik Kongo
Vorkoloniale Geschichte
Die Urbevölkerung des heutigen Staates bestand aus Mbuti, welche heute nur noch eine kleine Minderheit darstellen. Ăber Jahrhunderte hinweg wanderten Bantuvölker ein. Es entstanden verschiedene Gesellschaftsformen: von JĂ€gern und Sammlern ĂŒber Ackerbaubevölkerungen bis hin zu gröĂeren Staatswesen.
Unter den dortigen Staaten trat insbesondere das im 14. Jahrhundert gegrĂŒndete Königreich Kongo hervor, das eines der gröĂten afrikanischen Staatswesen ĂŒberhaupt war. Im 15. Jahrhundert erkundeten portugiesische Seefahrer um Diogo CĂŁo das Gebiet der KongomĂŒndung und nahmen 1491 diplomatische Beziehungen zum Kongoreich auf. König Nzinga a Nkuwu (â 1509) (spĂ€ter auch JoĂŁo I. von Kongo) lieĂ sich taufen und entsandte EmissĂ€re nach Lissabon. Es begann eine kurze Phase annĂ€hernd gleichberechtigten Umgangs zwischen dem Kongo und Portugal.
In der Neuzeit lieferte das Königreich Kongo Sklaven in die amerikanischen Kolonien. Die Einnahmen aus dem Sklavenhandel lieĂen eine reiche Oberschicht in den afrikanischen HafenstĂ€dten entstehen.
Vom 16. Jahrhundert an war das Kongoreich im Niedergang begriffen. Bis zum Ende des 17. Jahrhunderts erfolgten die völlige Zerstörung des Königreiches sowie seine Ausbeutung und PlĂŒnderung durch SklavenjĂ€ger. Die portugiesische Vorherrschaft wurde durch die der NiederlĂ€nder und Briten abgelöst. Im Jahr 1866 zogen die letzten Portugiesen ab.cite-ref-87[J 11]
In den 1870er Jahren bereiste der Waliser Henry Morton Stanley als erster EuropĂ€er das Hinterland. Er schlug vor, den Kongo dem britischen Kolonialreich anzugliedern. Die britische Regierung lehnte dies ab, weil sie sich vor allem fĂŒr die Nilquellen interessierte.cite-ref-88[J 12]
âKongo-Freistaatâ/Belgische Kolonialzeit
Der belgische König Leopold II. jedoch trug sich mit dem Gedanken an ein Kolonialreich und wollte die Gelegenheit nutzen. 1885 vereinnahmte Leopold den Kongo im Nachgefolge der Kongokonferenz als seinen âPrivatbesitzâ. Nominell war der neu geschaffene Staat vollstĂ€ndig selbststĂ€ndig gegenĂŒber der Kolonialmacht Belgien. Der Kongo-Freistaat besaĂ eine eigene Regierung in Boma, die nur Leopold II. Rechenschaft abzulegen hatte, eine eigene Armee (die âForce Publiqueâ) sowie eigene diplomatische Vertretungen in anderen Staaten. Die einheimische Bevölkerung war von den politischen und militĂ€rischen Eliten des Staates ausgeschlossen. Dieser Status jenseits allen Völkerrechts war in der ganzen Kolonialgeschichte einzigartig. Da mit dem Kongo zugleich auch alle seine Bewohner als rechtloser Privatbesitz angesehen wurden, kam es bei der wirtschaftlichen Ausbeutung (Kautschukboom) zu solch grausamen Exzessen, dass sie als sogenannte KongogrĂ€uel 1908 international fĂŒr Aufsehen und Empörung sorgten und Leopold II. zur Ăbergabe des Kongo als ânormaleâ Kolonie an den belgischen Staat zwangen.
Zwar verbesserten sich die VerhÀltnisse nun ein wenig, aber nach wie vor wurden der Kongo und seine Bevölkerung von der autoritÀren Kolonialmacht Belgien ausgebeutet.
Die Demokratische Republik Kongo wurde ursprĂŒnglich als Belgisch Kongo von einer gesetzgebenden Versammlung und regionalen Versammlungen verwaltet, in denen nur von Kolonialbehörden ernannte EuropĂ€er saĂen. Gegen Ende der 1950er Jahre gab es zwar eine gröĂere Beteiligung von Afrikanern, aber bis zur UnabhĂ€ngigkeit, als die Kolonie in Zaire umbenannt wurde, kein volles Wahlrecht.cite-ref-89[77]
Mit den weltweit in den Kolonien zunehmenden UnabhĂ€ngigkeitsbestrebungen wuchs auch im Kongo der Druck nach staatlicher Selbstbestimmung. Nach ersten Unruhen in der Hauptstadt LĂ©opoldville und unter dem Druck der Weltöffentlichkeit zog sich Belgien Anfang 1959 schlagartig aus dem Kongo zurĂŒck und hinterlieĂ ein Chaos.
UnabhÀngigkeit und Kongokrise
â
Hauptartikel
:
Kongokrise
Am 30. Juni 1960 wurde die âRepublik Kongoâ unabhĂ€ngig. Joseph Kasavubu, FĂŒhrer der Alliance des Bakongo (ABAKO), wurde StaatsprĂ€sident. Der bedeutende Panafrikanist und FĂŒhrer der kongolesischen UnabhĂ€ngigkeitsbewegung, Patrice Lumumba, wurde der erste MinisterprĂ€sident des jungen Landes, das er allerdings aufgrund mangelnder FachkrĂ€fte und angesichts sezessionistischer Bestrebungen, insbesondere in der Provinz Katanga, nicht zusammenzuhalten vermochte. Insbesondere die kontinuierlichen Interventionen Belgiens, der USA, aber auch der Sowjetunion fĂŒhrten zu einem allmĂ€hlichen ZerreiĂen der jungen Nation. Lumumba wurde schlieĂlich vom MilitĂ€r abgesetzt und verhaftet. Zwar konnte er der Haft kurz entfliehen, wurde aber kurze Zeit spĂ€ter wieder ergriffen, seinem Gegner MoĂŻse TschombĂ© â dem SezessionistenfĂŒhrer in Katanga â ausgeliefert und anschlieĂend ermordet. Eine Beteiligung des belgischen Geheimdienstes wurde im Jahr 2000 bestĂ€tigt,cite-ref-90[78] weswegen die belgische Generalstaatsanwaltschaft 2012 ein Ermittlungsverfahren eröffnete.cite-ref-91[79] Die CIA war nicht beteiligt; sie hatte zwar zuvor geplant, Lumumba zu ermorden, diese PlĂ€ne aber aufgegeben.cite-ref-92[80]
Diktatur Mobutu
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Hauptartikel
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Zaire
1965 putschte der frĂŒhere Assistent Lumumbas, Joseph Mobutu, und errichtete in den folgenden Jahrzehnten eine der lĂ€ngsten und korruptesten kleptokratischen Diktaturen Afrikas. MoĂŻse TschombĂ© konnte zeitweise ĂŒber Teile des Kongos mit einer Söldnerarmee, die ĂŒberwiegend aus EuropĂ€ern bestand, herrschen. Einen Höhepunkt der SöldneraktivitĂ€t im Kongo stellt die Besetzung von Bukavu durch TschombĂ©s europĂ€ische Söldner von August bis November 1967 dar. Mobutu begann eine Afrikanisierung des Landes. Um den europĂ€ischen Einfluss im Land zu eliminieren, wurden europĂ€ische Unternehmen verstaatlicht.
Das Erlassgesetz zum Referendum Act N°67-223 vom 3. Mai 1967 erkannte das Recht aller Kongolesen unabhĂ€ngig vom Geschlecht, sich am Verfassungsreferendum zu beteiligen, an. Damit war das Frauenwahlrecht eingefĂŒhrt. Das Gesetz ĂŒber die Wahlen zur gesetzgebenden Versammlung und den PrĂ€sidentenwahlen vom 17. April 1970 gab MĂ€nnern und Frauen explizit das passive Wahlrecht, wie dies schon in der Verfassung von 1967 vorgesehen gewesen war.cite-ref-ipu-713569-93-0[81]cite-ref-martin88-94-0[82]
1971 wurde das Land in Zaire umbenannt. Mobutu errichtete einen Einparteienstaat mit einem bizarren Personenkult, der erhebliche UnterstĂŒtzung aus westlichen LĂ€ndern erhielt, und bekĂ€mpfte dafĂŒr den Einfluss der Sowjetunion in Afrika. 1977/78 wurde mit internationaler, unter anderem belgischer und französischer MilitĂ€rhilfe fĂŒr die Regierung Mobutu Sese Seko die Shaba-Invasion der Front national de libĂ©ration du Congo des RebellenfĂŒhrers Nathaniel Mbumba aus Angola niedergeschlagen (Schlacht um Kolwezi).
Kongokriege
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Hauptartikel
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Erster Kongokrieg
und
Zweiter Kongokrieg
Unter dem Eindruck des Niedergangs der zairischen Wirtschaft und des Endes des Ost-West-Konflikts stimmte Mobutu ab 1990 einer schrittweisen Demokratisierung des Landes zu, die aber zu keinem Erfolg fĂŒhrte. Das Ende der Diktatur Mobutus begann stattdessen mit dem Völkermord in Ruanda, in dessen Folge Hunderttausende der am Völkermord beteiligten Hutu nach Zaire flohen. Einer Allianz der neuen ruandischen Tutsi-Regierung und verschiedener Mobutu-Gegner gelang es schlieĂlich innerhalb weniger Monate, ganz Zaire zu erobern und den schwer kranken und international mittlerweile isolierten Mobutu zu stĂŒrzen. Der Rebellenchef Laurent-DĂ©sirĂ© Kabila wurde jm Jahr 1997 neuer PrĂ€sident und benannte Zaire wieder in Demokratische Republik Kongo um.
Die einstigen VerbĂŒndeten hatten sich rasch zerstritten, und 1998 versuchten erneut von Ruanda gestĂŒtzte Rebellenorganisationen, von Osten aus das Land zu erobern. Eine Intervention Angolas und Simbabwes auf Seiten Kabilas konnte den Sturz der Regierung aber abwenden, und es entwickelte sich ein jahrelanger Stellungskrieg; das Land wurde schlieĂlich in mehrere Machtbereiche aufgespalten. Langwierige Verhandlungen beendeten 2003 den Krieg, alle Kriegsparteien bildeten eine gemeinsame Ăbergangsregierung.
Der Kongokrieg hatte schwerwiegende sozioökonomische Auswirkungen auf das Land. Wirtschaft und Sozialsysteme, die bereits vor dem Krieg am Boden lagen, brachen völlig zusammen, ganze Landstriche wurden weitgehend entvölkert. Die Zahl der Opfer ist unbekannt, Hochrechnungen gehen von mehr als drei Millionen indirekter Kriegsopfer aus.
Nachkriegszeit
Bereits im Januar 2001 fiel Laurent-DĂ©sirĂ© Kabila einem Attentat zum Opfer, und sein Sohn Joseph Kabila erbte seine Stellung als StaatsprĂ€sident.cite-ref-95[83] Joseph Kabila gewann schlieĂlich die im Friedensvertrag vorgesehene Wahl im Jahr 2006 und war damit erster frei gewĂ€hlter PrĂ€sident der Demokratischen Republik Kongo seit 1965. Mit Kabila fĂŒhrte zum ersten Mal seit 1960 ein Mann den Staat, der zu GesprĂ€chen zur Befriedung und Stabilisierung der Region bereit war.cite-ref-96[84] Ihm im Wege standen dabei allerdings der fast vollstĂ€ndige Zerfall der Infrastruktur, Verwaltung und Wirtschaft des Landes und insbesondere die AusplĂŒnderung der Ă€uĂerst rohstoffreichen Ostprovinzen des Kongo, in denen die Zentralregierung fast völlig machtlos ist, durch Uganda, Ruanda und verschiedene lokale Machthaber.
Konflikt im Ostkongo
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Hauptartikel
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Dritter Kongokrieg
In den Gebieten Kivu und Ituri im Osten findet auch nach Ende des zweiten Kongokrieges weiterhin ein bewaffneter Konflikt statt, weil die dortigen lokalen Milizen nicht an den Friedensverhandlungen beteiligt waren.
Zwischen August 2007 und Januar 2009 eskalierte der Konflikt: Im dritten Kongokrieg kĂ€mpften in Nordkivu die kongolesischen StreitkrĂ€fte, UN-Truppen der MONUC und Mai-Mai-Milizen gegen die Rebellen des Nationalkongresses zur Verteidigung des Volkes (CNDP) unter der FĂŒhrung des Tutsi Laurent Nkunda, eines ehemaligen Generals der Rebellenorganisation RCD. Nkunda behauptete, die lokale Tutsi-Bevölkerung gegen die Hutu-Extremisten der Demokratischen KrĂ€fte zur Befreiung Ruandas (FDLR) zu verteidigen, die auf kongolesischem Gebiet operieren und von Nkunda der Zusammenarbeit mit der kongolesischen Regierung bezichtigt werden.
Ende 2008 eroberte die CNDP immer gröĂere Gebiete im Nordkivu, Verhandlungen zwischen Regierung und Rebellen unter Vermittlung der UN blieben erfolglos. Im Dezember 2008 schlossen die kongolesische Regierung und Ruanda ein Abkommen ĂŒber eine gemeinsame BekĂ€mpfung der FDLR. Ruandische Soldaten marschierten in den Kongo ein und verhafteten Nkunda, der wenige Tage zuvor von der CNDP fĂŒr abgesetzt erklĂ€rt worden war. Im MĂ€rz 2009 unterzeichneten Regierung und CNDP ein Friedensabkommen. Hoffnungen, dass nach dem Ende der CNDP und der Zusammenarbeit zwischen kongolesischer Regierung und Ruanda im Kampf gegen die FDLR nun auch eine Befriedung der Ostprovinzen möglich sei,cite-ref-97[J 13]cite-ref-fischer-35-3[35] erfĂŒllten sich nicht.
Ab etwa 2010 operierten Dutzende bewaffneter Gruppierungen in den Kivuprovinzen. Deren StĂ€rken reichen von wenigen Dutzend bis zu mehreren tausend KĂ€mpfern. An vielen Gruppen sind desertierte Soldaten der FARDC oder andere SicherheitskrĂ€fte beteiligt. Zu den gröĂten zĂ€hlen die FDLR, die RaĂŻa Mutomboki, die Alliance des patriotes pour un Congo libre et souverain und die Nyatura. Die Bewegung 23. MĂ€rz â auch M23 genannt â wurde im April 2012 von ehemaligen Mitgliedern der CNDP aus Unzufriedenheit ĂŒber die Umsetzung des Friedensabkommens gegrĂŒndet. Sie erlangte maĂgeblich Kontrolle im Territorium Rutshuru und erregte groĂes Aufsehen durch die zwischenzeitliche Einnahme der Provinzhauptstadt Goma. Nach mehreren gescheiterten Verhandlungsrunden mit der Regierung und der Etablierung einer UN-Eingreiftruppe unterlag sie Anfang November 2013 schlieĂlich militĂ€risch.
Seit MĂ€rz 2022 gibt es erneut KĂ€mpfe zwischen den Rebellen und den Truppen. Aufgrund der anhaltenden Bedrohung durch die ausgeĂŒbte Gewalt sowie das VorrĂŒcken der Rebellengruppe M23 waren in den ersten Monaten des Jahres 2022 tausende Menschen zur Flucht gezwungen, es gab ĂŒber sechs Millionen Binnenvertriebene insgesamt im Land; etwa die HĂ€lfte der Bevölkerung lebte mit unzureichender Nahrungsmittelversorgung.cite-ref-98[85]
Siehe auch
:
Demokratische Republik Kongo#Wahlen
Siehe auch
:
Liste von TerroranschlÀgen in der Demokratischen Republik Kongo
Gescheiterter Putschversuch 2024
WĂ€hrend einer parlamentarischen Krise im Zusammenhang mit der Wahl des Parlamentsvorsitzes fĂŒhrte am 19. Mai 2024 der US-BĂŒrger Christian Malangacite-ref-99[86] (1982â2024), Vorsitzender und GrĂŒnder der Oppositionspartei United Congolese Party (UCP), die ihren Sitz im Exil der Vereinigten Staaten hat, einen Putschversuch an, der von den SicherheitskrĂ€ften des PrĂ€sidenten FĂ©lix Tshisekedi abgewehrt wurde. Bei dem Versuch wurden von den SicherheitskrĂ€ften mehrere der Angreifer verhaftet und vier weitere getötet, darunter Christian Malanga selbst. Zwei Polizisten starben. Videos des Putschversuches und einer Ausrufung Neu Zaires durch Malanga aus dem PrĂ€sidentenpalast kursierten im Internet. Der Putschversuch wurde am selben Tag fĂŒr gescheitert erklĂ€rt.cite-ref-100[87]cite-ref-101[88]cite-ref-102[89]
Politik
Politisches System
Die Verfassung von 2006 definiert den Kongo als einen sĂ€kularen, demokratischen Rechtsstaat mit einem semiprĂ€sidentiellen Regierungssystem. Der PrĂ€sident wird vom Volk in allgemeinen, freien und gleichen Wahlen fĂŒr fĂŒnf Jahre direkt gewĂ€hlt. Eine einmalige Wiederwahl ist möglich. Er ernennt den Premierminister und dessen Kabinett. Es gibt ein Zweikammersystem, bestehend aus Oberhaus (Senat) und Unterhaus (Nationalversammlung). Die 108 Mitglieder des Senats werden fĂŒr fĂŒnf Jahre von den Provinzparlamenten gewĂ€hlt, die Nationalversammlung mit 500 Abgeordneten wird vom Volk gewĂ€hlt. 61 Sitze werden nach Mehrheitswahlrecht bestimmt, die ĂŒbrigen nach VerhĂ€ltniswahl in offenen Listen.
In der Praxis erfĂŒllt der Staat, abgesehen von der erfolgreichen Wahl 2006, in keiner Weise die Merkmale einer Demokratie und eines Rechtsstaates. Eine Gewaltenteilung existiert nur in der Theorie, es gibt praktisch keine unabhĂ€ngige Justiz, und Gesetze werden nicht durchgesetzt. Das Journal Officiel de la RĂ©publique DĂ©mocratique du Congo ist das Bekanntmachungsorgan der Regierung. Alle staatlichen Institutionen sind anfĂ€llig fĂŒr Korruption und unzuverlĂ€ssig, und es ist seit Jahrzehnten allgemein ĂŒblich, dass Posten in staatlichen Institutionen und Betrieben zur persönlichen Bereicherung ausgenutzt werden.
Die territoriale SouverÀnitÀt des Staates ist insbesondere im Osten des Landes sehr fragil. Aufgrund ihrer InstabilitÀt wird die Demokratische Republik Kongo als gescheiterter Staat bezeichnet, gleichwohl keine der zahlreichen Rebellengruppen, die seit der UnabhÀngigkeit existierten, je die LegitimitÀt des Staates in Frage oder sezessionistische Forderungen stellten.cite-ref-103[90]
Siehe auch
:
Liste der PrÀsidenten der Demokratischen Republik Kongo
Politische Indizes
| Name des Index | Indexwert | Weltweiter Rang | Interpretationshilfe | Jahr |
|---|---|---|---|---|
| Fragile States Index | 106,7 von 120 | 5 von 179 | StabilitĂ€t des Landes: groĂer Alarm 0 = sehr nachhaltig / 120 = sehr alarmierend Rang: 1 = fragilstes Land / 179 = stabilstes Land | 2024 [ 91 ] |
| Demokratieindex | 1,92 von 10 | 156 von 167 | AutoritÀres Regime 0 = autoritÀres Regime / 10 = vollstÀndige Demokratie | 2024 [ 92 ] |
| Freedom in the World Index | 18 von 100 | â | Freiheitsstatus: unfrei 0 = unfrei / 100 = frei | 2024 [ 93 ] |
| Rangliste der Pressefreiheit | 42,3 von 100 | 133 von 180 | Schwierige Lage fĂŒr die Pressefreiheit 100 = gute Lage / 0 = sehr ernste Lage | 2025 [ 94 ] |
| Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) | 20 von 100 | 163 von 181 | 0 = sehr korrupt / 100 = sehr sauber | 2024 [ 95 ] |
Verfassung
Am 16. Mai 2005 beschloss das 2003 ernannte Ăbergangsparlament den Entwurf einer neuen Verfassung.cite-ref-109[J 14] Die Macht des PrĂ€sidenten wird darin eingeschrĂ€nkt. Der Premierminister ist nun nicht mehr dem PrĂ€sidenten verantwortlich, sondern der Mehrheitsfraktion im Parlament. Am 27. Oktober 2005 sollte das Volk ĂŒber die neue Verfassung abstimmen.cite-ref-j147-110-0[J 15]
Der Abstimmung ging eine langwierige, von EU und UN unterstĂŒtzte WĂ€hlerregistrierung voraus. Jeder WĂ€hler erhielt einen fĂ€lschungssicheren Personalausweis, und trotz diverser Boykottaufrufe lieĂen sich insgesamt 25.650.751 WĂ€hler registrieren, von geschĂ€tzt 28 Millionen prinzipiell Wahlberechtigten. Nachdem die WĂ€hlerregistrierung erheblich lĂ€nger als geplant gedauert hatte (in abgelegenen Gebieten Ăquateurs und Bandundus wurden die letzten WĂ€hler erst im Februar 2006 registriert), wurde die Abstimmung schlieĂlich verschoben.cite-ref-111[J 16]cite-ref-j147-110-1[J 15]
Am 18. und 19. Dezember 2005 stimmten 84,3 % der WĂ€hler bei einer Wahlbeteiligung von 62 % in einem Verfassungsreferendum fĂŒr die Annahme der neuen Verfassung. Die Zustimmung war je nach Landesteil unterschiedlich verteilt, in Kinshasa stimmten aufgrund der dortigen Boykottkampagnen nur etwas mehr als 50 % dafĂŒr, in den Kivuprovinzen lag sie bei ĂŒber 90 %.cite-ref-j147-110-2[J 15] Am 18. Februar 2006 trat die neue Verfassung in Kraft.cite-ref-cia-1-5[1]
Wahlen
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Hauptartikel
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Wahlen in der Demokratischen Republik Kongo 2006
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Hauptartikel
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Wahlen in der Demokratischen Republik Kongo 2011
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Hauptartikel
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Wahlen in der Demokratischen Republik Kongo 2018
2006
Am 30. Juli 2006 fanden die Wahlen fĂŒr das PrĂ€sidentenamt und das Parlament statt. Es war die erste freie Wahl im Kongo seit 1965. Es gab 43 Bewerber fĂŒr das PrĂ€sidentenamt, darunter zahlreiche frĂŒhere RebellenfĂŒhrer, und ĂŒber 60 Parteien fĂŒr das Parlament. Unterschiedliche Programme hatten die Kandidaten nicht zu bieten, es ging lediglich um die Frage, wer das Land zukĂŒnftig regieren durfte. Der Wahlkampf war von Gewalt, willkĂŒrlichen Verhaftungen und Hetzkampagnen der Presse ĂŒberschattet. FĂŒr den Fall, dass die ehemaligen Kriegsherren die Ergebnisse nicht anerkennen wĂŒrden, wurden schwere Unruhen bis hin zu einem erneuten Ausbruch des BĂŒrgerkriegs befĂŒrchtet. Zur Absicherung der Wahl entsandte die EU zusĂ€tzlich zur UN-Mission MONUC eine eigene MilitĂ€rmission, die EUFOR RD Congo.cite-ref-112[J 17]
Der Wahltag selbst verlief weitgehend friedlich. Im ersten Wahlgang erhielt Kabila 44,8 %, Jean-Pierre Bemba 20,0 % und Antoine Gizenga 13,1 %, die Anteile aller anderen Kandidaten lagen bei weit unter 10 %. Die Ergebnisse der Parlamentswahl verhielten sich Ă€hnlich: Die PPRD (Kabila) erhielt 111 von 500 Sitzen, die MLC (Bemba) 64 und die PALU (Gizenga) 34, der Rest ging an zahlreiche kleine Parteien und unabhĂ€ngige Kandidaten. Die Ergebnisse waren wie schon bei dem Verfassungsreferendum sehr unterschiedlich verteilt, in den Ostprovinzen, die wĂ€hrend des Krieges unter Rebellenkontrolle standen, erzielte Kabila sehr hohe Ergebnisse, wĂ€hrend im Westen die Stimmen breiter verteilt waren. Die befĂŒrchteten Unruhen blieben weitgehend aus, es kam lediglich zu begrenzten Gefechten zwischen den Truppen Bembas und Kabilas in Kinshasa.cite-ref-113[J 18]
Da keiner der Kandidaten fĂŒr das PrĂ€sidentenamt eine absolute Mehrheit erreicht hatte, fand am 29. Oktober 2006 eine Stichwahl statt, die Kabila mit 58,05 % der Stimmen gewann. Die Ergebnisse waren wieder ungleich verteilt, die westlichen Provinzen Ăquateur, Bas-Congo, Kinshasa und Kasai fielen Bemba zu, der Osten Kabila.cite-ref-114[J 19]
2011
Im Vorfeld der darauffolgenden Wahl am 27. November 2011 gab es Auseinandersetzungen um eine VerfassungsĂ€nderung, die nach Auffassung der Opposition die Wiederwahl Kabilas begĂŒnstigte. Am 12. Januar 2011 stimmte die Nationalversammlung und am folgenden Tag auch der Senat fĂŒr eine Abschaffung der Stichwahl um das PrĂ€sidentenamt. Demnach reicht die einfache Mehrheit im ersten Wahlgang.cite-ref-115[96] In der Wahl, bei der es einzelne Hinweise auf UnregelmĂ€Ăigkeiten und Wahlbetrug gab, wurde Kabila mit 48,95 % wiedergewĂ€hlt, sein wesentlicher Konkurrent Ătienne Tshisekedi erhielt 32,33 %.
2018
GemÀà der Verfassung sollte 2016 wieder eine PrĂ€sidentschafts- und Parlamentswahl durchgefĂŒhrt werden. Die Wahlen wurde aber mehrfach verschoben und fanden schlieĂlich am 30. Dezember 2018 statt. Die Verfassung lieĂ dabei eine erneute Kandidatur Kabilas nicht zu. An seiner Stelle wurde der Oppositionspolitiker FĂ©lix Tshisekedi â der Sohn Ătienne Tshisekedis â als PrĂ€sident gewĂ€hlt. Das Wahlergebnis war offenbar grob gefĂ€lscht: Sowohl die Daten der katholischen Bischofskonferenz Kongos (die 40.000 Wahlbeobachter im ganzen Land im Einsatz hatte) als auch DatensĂ€tze der Wahlkommission CĂ©ni von 62.716 elektronischen Wahlmaschinen (die rund 15 der 18 Millionen abgegebenen Stimmen erfassten), die der Financial Times zugespielt wurden, widersprachen klar dem angeblichen Wahlsieg Tshisekedis;cite-ref-116[97] laut diesen Daten hatte der Kabila-Kritiker Martin Fayulu die absolute Mehrheit der Stimmen erhalten.
2023
Bei den PrĂ€sidentschaftswahlen 2023 wurde FĂ©lix Tshisekedi wiedergewĂ€hlt. Hierbei wurden wiederum FĂ€lschungen kritisiert. So ordneten die Bischöfe von Kongos katholischer Bischofskonferenz CENCO, die am 20. Dezember die gröĂte unabhĂ€ngige Wahlbeobachtung organisiert hatte, den Wahlablauf und das Wahlergebnis als âKatastropheâ ein. Die Bischöfe sprachen unter anderem von âFĂ€lschung, Korruption in groĂem MaĂstab, Zerstörung von Wahlmaterialien, Aufstachelung zur Gewalt, illegale Inbesitznahme von Wahlmaschinenâ. Am 20. Januar 2024 wurde Tshisekedi fĂŒr seine zweite Amtszeit vereidigt.cite-ref-117[98]
Regierung
2006 bis 2012
Nach den Wahlen wurde am 30. Dezember 2006 Antoine Gizenga, der alte LumumbistenfĂŒhrer der 1960er Jahre, zum Premierminister ernannt, am 7. Februar stand die neue, aus 60 Ministern und Vizeministern bestehende Regierung. Erstmals seit Jahrzehnten gab es wieder eine Regierung, die eine gute RegierungsfĂŒhrung zumindest versuchte.cite-ref-118[J 20] Die Erfolge der neuen Regierung blieben gering, Gizenga war der Situation nicht mehr gewachsen, die Macht im Land blieb bei PrĂ€sident Kabila und beim MilitĂ€r. Am 25. September 2008 reichte Gizenga altersbedingt seinen RĂŒcktritt ein,cite-ref-119[J 21] Nachfolger wurde am 10. Oktober 2008 Haushaltsminister Adolphe Muzito. Er gehört ebenfalls der PALU an; dies war wegen eines Koalitionsabkommens zwischen den Regierungsparteien PPRD, PALU und UDEMO eine der Bedingungen bei der Neubesetzung des Postens.cite-ref-120[99] Zusammen mit Muzito wurden 16 Minister neu ernannt. Die Mehrheit der Minister der Koalition hielt Kabilas PPRD.cite-ref-fischer-35-4[35]
Seit 2012
Muzito trat am 7. MĂ€rz 2012 zurĂŒck. Nachfolger als Premierminister wurde am 18. April 2012 der bisherige Finanzminister Augustin Matata Ponyo, der 2016 durch Samy Badibanga abgelöst wurde. Von 2017 bis 2019 war Bruno Tshibala Premierminister.
Seit 2019
Seit 2019 ist FĂ©lix Tshisekedi PrĂ€sident. Auch seine Wiederwahl 2023 war von UnregelmĂ€Ăigkeiten begleitet.
Menschenrechte
Der Kongo ist eines der LĂ€nder, in denen die Menschenrechte wenig geachtet werden. Dies trifft insbesondere auf die Kriegsgebiete zu, wo die Kriegsparteien kaum RĂŒcksicht auf die Zivilbevölkerung nehmen.
Vergewaltigung in der Ehe ist in der Demokratischen Republik Kongo keine Straftat; Vergewaltigung war und ist in der Demokratischen Republik Kongo eine Kriegswaffe. In den Jahren 2006 bis 2009 wurden allein von dem Hilfswerk âHeal Africaâ 12.000 vergewaltigte Frauen betreut. Die Organisation geht von der zehnfachen Zahl an Vergewaltigungen aus.cite-ref-121[100] Laut einer Studie sind rund 39 % aller Frauen und 24 % aller MĂ€nner im Land mindestens einmal in ihrem Leben Opfer einer Vergewaltigung geworden.cite-ref-122[101] Immer wieder gibt es Berichte ĂŒber Massenvergewaltigungen, etwa 2010 in Luvungi.
Sowohl Angehörige bewaffneter Gruppen als auch staatliche SicherheitskrĂ€fte verĂŒbten routinemĂ€Ăig Folterungen und Misshandlungen, insbesondere gegen vermeintliche politische Gegner. Zu den Foltermethoden gehörten SchlĂ€ge, Verletzungen durch Messerstiche, Vergewaltigungen und das AufhĂ€ngen von Personen an GitterstĂ€ben. In den meisten Hafteinrichtungen und GefĂ€ngnissen herrschten derart harte Bedingungen, dass sie grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung gleichkamen. In Berichten hieĂ es regelmĂ€Ăig, dass Gefangene an UnterernĂ€hrung und behandelbaren Krankheiten starben.
Ein weiterer humanitĂ€rer Krisenschwerpunkt ist die Nordost-Region der Provinz Orientale, wo die aus Uganda stammenden Lordâs Resistance Army (LRA) im Gefolge einer gescheiterten gemeinsamen MilitĂ€raktion von der Demokratischen Republik Kongo, Sudan und Uganda seit Dezember 2007 wiederholt grausame Attacken auf die Zivilbevölkerung verĂŒbt. Die LRA wird fĂŒr den Tod von ĂŒber 1.200 Menschen und die EntfĂŒhrung von ĂŒber 600 Kindern seit September 2008 verantwortlich gemacht.cite-ref-123[102]
2008 verurteilten MilitĂ€rgerichte mindestens 50 Menschen zum Tode, darunter auch Zivilisten. Es wurden allerdings keine Hinrichtungen gemeldet â so Amnesty International. SicherheitskrĂ€fte der Regierung und bewaffnete Gruppen ĂŒberfielen und entfĂŒhrten Menschenrechtsverteidiger, schĂŒchterten sie ein und bedrohten sie mit Mord. In Nord-Kivu mussten viele, die sich fĂŒr die Menschenrechte einsetzten, untertauchen oder fliehen. Andere wurden zur Zielscheibe, weil sie an der Aufarbeitung politisch brisanter Menschenrechtsverletzungen beteiligt waren. Im Jahr 2008 befanden sich SchĂ€tzungen zufolge immer noch 3000 bis 4000 Kinder in den Reihen bewaffneter Gruppen.cite-ref-124[103]
Ein im Dezember 2009 von Human Rights Watch veröffentlichter Bericht dokumentiert detailliert die gezielte Tötung von mehr als 1400 Zivilisten zwischen Januar und September 2009 wĂ€hrend zwei aufeinander folgender kongolesischer MilitĂ€roperationen gegen die ruandische Hutu-Miliz âDemokratischen KrĂ€fte zur Befreiung Ruandasâ (FDLR).cite-ref-125[104] Sowohl kongolesische Regierungssoldaten als auch FDLR-Rebellenmilizen haben Zivilisten angegriffen, ihnen vorgeworfen, mit dem Gegner zu kollaborieren, und sie âbestraftâ, indem sie mit Macheten zu Tode gehackt wurden. Beide Seiten haben darĂŒber hinaus Zivilisten bei Fluchtversuchen erschossen oder sie absichtlich in ihren HĂ€usern verbrannt. Einige Opfer wurden gefesselt, bevor ihnen, einem Zeugen zufolge, die Kehlen âwie HĂŒhnern durchgeschnittenâ wurden. Die Mehrheit der Opfer waren Frauen, Kinder und Ă€ltere Menschen.cite-ref-126[105]
Am 1. Oktober 2010 veröffentlichte das Amt des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen fĂŒr Menschenrechte (OHCHR) einen ausfĂŒhrlichen Bericht ĂŒber schwerste Menschenrechtsverletzungen und Verletzungen internationalen humanitĂ€ren Rechts auf dem Territorium der Demokratischen Republik Kongo im Zeitraum von MĂ€rz 1992 bis Juni 2003.cite-ref-127[106] Die Regierung von Ruanda hatte vor der Veröffentlichung dieses Berichts vergeblich Ănderungen verlangt. Hintergrund war, dass einige der schwersten dokumentierten Verbrechen von Angehörigen der Rwandan Patriotic Army (RPA) und der mit ihnen verbĂŒndeten Alliance des forces dĂ©mocratiques pour la libĂ©ration du Congo-ZaĂŻre (AFDL) begangen worden waren. Sie könnten nach Aussage des Berichts möglicherweise als Genozid bezeichnet werden.cite-ref-128[107]
HomosexualitÀt in der Demokratischen Republik Kongo ist legalisiert.
Mitgliedschaft in internationalen Organisationen
Die Demokratische Republik Kongo gehört einer Reihe von politischen und wirtschaftlichen Vereinigungen an:cite-ref-cia-1-6[1]
âą AEC (Afrikanische Wirtschaftsgemeinschaft)
âą AU (Afrikanische Union)
âą BAD (Afrikanische Entwicklungsbank)
âą COMESA (Gemeinsamer Markt fĂŒr das Ăstliche und SĂŒdliche Afrika)
âą EAC (Ostafrikanische Gemeinschaft) â seit dem 29. MĂ€rz 2022
⹠G33 (Zusammenschluss verschiedener EntwicklungslÀnder)
âą ICGLR (Internationale Konferenz der Region der GroĂen Seen)
âą OIF (Internationale Organisation der Frankophonie)
âą SADC (SĂŒdafrikanische Entwicklungsgemeinschaft)
âą UN (Vereinte Nationen)
MilitÀr
â
Hauptartikel
:
Forces Armées de la République Démocratique du Congo
Die kongolesischen StreitkrĂ€fte (französisch Forces ArmĂ©es de la RĂ©publique DĂ©mocratique du Congo â FARDC) entstanden in ihrer heutigen Form nach dem Zweiten Kongokrieg, als die Regierungsarmee mit den verschiedenen RebellenstreitkrĂ€ften zusammengelegt wurde. 2003 meldeten Regierung und Rebellen ĂŒber 300.000 Soldaten fĂŒr die Eingliederung in die neuen StreitkrĂ€fte, nach einer unabhĂ€ngigen SchĂ€tzung waren es aber allenfalls 200.000 Soldaten. Die SollstĂ€rke der FARDC sollte bei etwa 120.000 Mann liegen. Bis 2008 waren aber erst etwa 45.000 Mann in 15 Brigaden einsatzbereit.cite-ref-j171f-131-0[J 22] Bei Aufstellung der neuen StreitkrĂ€fte wurden âgemischteâ Einheiten gegrĂŒndet, das heiĂt in der FARDC dienen Soldaten verschiedener BĂŒrgerkriegsparteien in ein und derselben Einheit.cite-ref-132[J 23]
Der Neuaufbau der Armee war im Jahr 2009 noch nicht abgeschlossen, die alten Strukturen der Rebellen bestanden weiter fort, zehntausende Soldaten befanden sich auĂerhalb der regulĂ€ren Befehlsstrukturen unter dem Kommando ehemaliger BĂŒrgerkriegsgenerĂ€le. Dies war vor allem im Osten des Landes, in den Kivuprovinzen der Fall, in der bis heute verschiedene lokale Milizen die Macht ausĂŒben.cite-ref-j171f-131-1[J 22]
Die FARDC hatte laut einer Quelle aus 2010 sowohl Organisationsprobleme als auch Defizite mit der Kampfmoral. Die Soldaten sind unzureichend ausgebildet und ausgerĂŒstet, der Sold wird nur unregelmĂ€Ăig ausbezahlt und reicht nicht aus, um den Lebensunterhalt zu bestreiten.cite-ref-133[110] Die Kampfmoral der Truppe war entsprechend schlecht und die Desertationsrate hoch. Bei KĂ€mpfen im Kivu kam es immer wieder zu Massendesertationen tausender Soldaten.cite-ref-134[J 24] Zahlreiche Menschenrechtsverletzungen gehen auf KrĂ€fte der FARDC zurĂŒck, regelmĂ€Ăig kommt es zu Ăbergriffen auf Zivilisten mit PlĂŒnderungen und Vergewaltigungencite-ref-135[111] seitens der Angehörigen der FARDC.cite-ref-136[J 25]
Verwaltungsgliederung
â
Hauptartikel
:
Provinzen der Demokratischen Republik Kongo
In der Demokratischen Republik Kongo herrscht traditionell eine streng zentralistische Verwaltung. Das Land war bis 2015 in zehn Provinzen und den Hauptstadtdistrikt gegliedert. Die 2005 beschlossene Verfassung sah eine Dezentralisierung vor, bei der die 11 Gebietskörperschaften in 26 neue Provinzen mit eigenen Parlamenten aufgeteilt werden sollten. 40 % der auf dem Gebiet einer neuen Provinz eingenommenen Steuern sollten kĂŒnftig dort verbleiben. Diese Verwaltungsreform sollte erst 2011 komplett umgesetzt worden sein.cite-ref-137[J 26] Im Januar 2011 wurde die Neuaufteilung des Landes durch eine VerfassungsĂ€nderung abgesagt,cite-ref-138[112] allerdings wurde die Neugliederung im Jahr 2015 doch umgesetzt.
Die der Gebietskarte folgende Tabelle gibt die seit 2015 geltenden Provinzen des Landes mit FlÀche und ehemaliger Provinzzugehörigkeit an. Kinshasa wird offiziell nicht als Provinz, sondern als Hauptstadtdistrikt bezeichnet.
| Nr. | Name | Hauptstadt | FlĂ€che in kmÂČ | Provinz bis 1988 |
|---|---|---|---|---|
| 0 1 | Kinshasa | Kinshasa | 00 9.965 | unverÀndert |
| 0 2 | Kongo Central | Matadi | 0 53.920 | Bas-Congo |
| 0 3 | Kwango | Kenge | 0 89.974 | Bandundu |
| 0 4 | Kwilu | Kikwit | 0 78.219 | Bandundu |
| 0 5 | Mai-Ndombe | Inongo | 127.465 | Bandundu |
| 0 6 | KasaĂŻ | Luebo | 0 93.784 | KasaĂŻ-Occidental |
| 0 7 | KasaĂŻ-Central | Kananga | 0 60.958 | KasaĂŻ-Occidental |
| 0 8 | KasaĂŻ-Oriental | Mbuji-Mayi | 00 9.481 | KasaĂŻ-Oriental |
| 0 9 | Lomami | Kabinda | 0 56.426 | KasaĂŻ-Oriental |
| 10 | Sankuru | Lusambo | 104.331 | KasaĂŻ-Oriental |
| 11 | Maniema | Kindu | 132.520 | unverÀndert |
| 12 | Sud-Kivu | Bukavu | 0 65.070 | unverÀndert |
| 13 | Nord-Kivu | Goma | 0 59.483 | unverÀndert |
| 14 | Ituri | Bunia | 0 65.658 | Orientale |
| 15 | Haut-Uele | Isiro | 0 89.683 | Orientale |
| 16 | Tshopo | Kisangani | 199.567 | Orientale |
| 17 | Bas-Uele | Buta | 148.331 | Orientale |
| 18 | Nord-Ubangi | Gbadolite | 0 56.644 | Ăquateur |
| 19 | Mongala | Lisala | 0 58.141 | Ăquateur |
| 20 | Sud-Ubangi | Gemena | 0 51.648 | Ăquateur |
| 21 | Ăquateur | Mbandaka | 103.902 | Ăquateur |
| 22 | Tshuapa | Boende | 132.957 | Ăquateur |
| 23 | Tanganyika | Kalemie | 134.940 | Katanga |
| 24 | Haut-Lomami | Kamina | 108.204 | Katanga |
| 25 | Lualaba | Kolwezi | 121.308 | Katanga |
| 26 | Haut-Katanga | Lubumbashi | 132.425 | Katanga |
Wirtschaft
Jahrzehntelange Misswirtschaft, extreme Korruption und jahrelange BĂŒrgerkriege machten den Kongo, der kurz nach der UnabhĂ€ngigkeit eines der wirtschaftlich am höchsten entwickelten LĂ€nder Afrikas war und ĂŒber die gröĂten NaturreichtĂŒmer des Kontinents verfĂŒgt, zu einem der Ă€rmsten LĂ€nder der Welt, das in allen Entwicklungsindikatoren weit hinten angesiedelt ist.
Das kaufkraftbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) betrug 2023 etwa 177 Milliarden US-Dollar,cite-ref-bip-imf-4-1[4] das BIP pro Einwohner ungefÀhr 1.774 US-Dollarcite-ref-bip-imf-4-2[4]. Die Frauenerwerbsquote liegt bei etwa 71 %.cite-ref-140[114] Trotz einem jahrelangen Wirtschaftsaufschwung in der Regierungszeit von Joseph Kabila ist die DR Kongo das zweitÀrmste Land der Welt.
Die Inflationsrate ist bestÀndig hoch, seit Jahrzehnten dient daher der US-Dollar als ZweitwÀhrung und Wertaufbewahrungsmittel.cite-ref-141[J 27]
Charakteristisch fĂŒr das Land ist der groĂe informelle Sektor, der nicht in die Berechnung des BIP einflieĂt. Bereits in den 1980er Jahren soll die informelle Wirtschaft dreimal so groĂ wie die offizielle gewesen sein.cite-ref-j55-83-1[J 10] Grund fĂŒr diese Entwicklung waren und sind die extreme Korruption und die mangelnde EffektivitĂ€t staatlicher Organe, die ein solides Wirtschaften enorm erschweren. Von staatlicher Seite werden erst in jĂŒngster Zeit Anstrengungen unternommen, den Zustand zu Ă€ndern.cite-ref-j55-83-2[J 10]cite-ref-cia-1-7[1]
Seit Abschaffung einer Einheitsgewerkschaft 1990 besitzt das Land nun zwar mehrere unabhÀngige Gewerkschaften, welche aber kaum noch Einfluss auf die Unternehmen haben.cite-ref-aa-45-3[44]
| Jahr | 2010 | 2015 | 2016 | 2017 | 2018 | 2019 | 2020 | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| BIP in Mrd. USD (KaufkraftparitÀt) | 53,4 | 84,9 | 86,0 | 90,8 | 97,2 | 106,6 | 116,2 | 135,9 | 158,9 | 178,8 | 195,1 |
| BIP pro Kopf in USD (KaufkraftparitÀt) | 811 | 1.099 | 1.078 | 1.101 | 1.142 | 1.213 | 1.280 | 1.449 | 1.642 | 1.789 | 1.890 |
| BIP-Wachstum (real) | 7,8 % | 6,4 % | 0,4 % | 3,7 % | 4,8 % | 4,5 % | 1,7 % | 1,7 % | 9,2 % | 8,5 % | 6,5 % |
| Inflation (in Prozent) | 23,5 % | 0,7 % | 3,2 % | 35,7 % | 29,3 % | 4,7 % | 11,4 % | 9,0 % | 9,3 % | 19,9 % | 17,7 % |
| Staatsverschuldung (in Prozent des BIP) | 32 % | 25 % | 33 % | 23 % | 19 % | 19 % | 24 % | 25 % | 24 % | 27 % | 23 % |
Wirtschaftsgeschichte
Die Wirtschaft des Landes erlebte in den vergangenen Jahrzehnten eine wechselvolle Entwicklung. In vorkolonialer Zeit war das heutige Staatsgebiet eine bedeutende Quelle fĂŒr SklavenhĂ€ndler. Die von Sansibar aus operierenden islamischen SklavenhĂ€ndler, die von lokalen Herrschern und Milizen unterstĂŒtzt wurden, beuteten das Land weit schwerwiegender aus als die EuropĂ€er im Westen des Landes.cite-ref-142[J 28] Die europĂ€ische Kolonialisierung ab 1876 setzte sich die Beendigung des Sklavenhandels zum Ziel. Der Widerstand der SklavenhĂ€ndler wurde blutig niedergeschlagen. Nach Errichtung des Kongo-Freistaats durch Belgien begann eine in der Kolonialgeschichte beispiellose AusplĂŒnderung des Landes. Der Bevölkerung wurde Zwangsarbeit auferlegt, um Baumwolle, Elfenbein, Palmöl und vor allem Kautschuk zu exportieren (KongogrĂ€uel).
Mit der GrĂŒndung von Belgisch-Kongo 1908 rĂŒckte der Bergbau zum Hauptwirtschaftszweig auf, es wurden vor allem Kupfer und Diamanten abgebaut. Nachdem König Leopold den Kongo an die belgische Regierung abgetreten hatte, stieg es bis in die 1950er-Jahre zum viertgröĂten Kupferproduzenten der Welt auf. Auch seine anderen BodenschĂ€tze waren fĂŒr die westlichen MĂ€chte lebenswichtig: Kobalt, Tantal â und Uran. Das Uran aus Katanga aus der Mine Shinkolobwe bei Jadotville hatte dazu beigetragen, den Ausgang des Zweiten Weltkriegs zu entscheiden; das Manhattan-Projekt wurde mit Uran aus dieser Mine bestĂŒckt.cite-ref-143[115] Die UMHK-Mine Shinkolobwe produzierte bis 1960 Uran fĂŒr US-Atomwaffen.cite-ref-144[116]
Es entstanden ein modernes, dichtes StraĂennetz und ein effizientes Gesundheitssystem, welches auch den Lebensstandard der Einheimischen hob.cite-ref-145[J 29]cite-ref-146[117] In den letzten Jahren vor der UnabhĂ€ngigkeit zĂ€hlte die Kolonie zu den wirtschaftlich am höchsten entwickelten afrikanischen Staaten, der Wohlstand war jedoch extrem zugunsten der immer zahlreicher werdenden belgischen Siedler verteilt: Die HĂ€lfte des Volkseinkommens lag bei den 1 % EuropĂ€ern; die Kongolesen hingegen blieben von gesellschaftlicher und politischer Teilhabe weitgehend ausgeschlossen.cite-ref-j29-36-1[J 1]
Die Wirren nach der UnabhĂ€ngigkeit (Kongo-Krise) und die Ausreise vieler Belgier hatten zunĂ€chst einen wirtschaftlichen Einbruch zur Folge, von dem sich das Land aber innerhalb weniger Jahre erholte. Von hohen Rohstoffpreisen getragene, teilweise zweistellige Wachstumsraten Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre ermöglichten groĂe, aber unrentable Bauprojekte wie den Inga-Staudamm und die HGĂ Inga-Shaba. Es wurde erwartet, dass sich das Land innerhalb weniger Jahre zur Industrienation entwickeln wĂŒrde.cite-ref-147[J 30] Als infolge der Ălkrise ab 1973 die Rohstoffpreise zu sinken begannen, begann auch der Niedergang der zairischen Wirtschaft. Die immer weiter ausufernde Korruption Mobutus und seiner kleptokratischen Herrschaftsclique sorgte dafĂŒr, dass Exporteinnahmen nicht mehr reinvestiert wurden und die Wirtschaftsbetriebe verfielen.cite-ref-148[J 31] WĂ€hrend der 1980er und zu Beginn der 1990er Jahre befand sich die Wirtschaft im freien Fall, zwischen 1990 und 1994 hatte sich das Bruttoinlandsprodukt fast halbiert, die Kupferproduktion war um ĂŒber 90 % gesunken, die Inflationsrate dreistellig. Immer gröĂere Teile der Wirtschaft wanderten in den informellen Sektor ab. Zwar stabilisierte sich die Lage kurzzeitig wieder,cite-ref-j55-83-3[J 10]cite-ref-149[J 32] aber die Kriege ab 1996 fĂŒhrten zu einem weiteren RĂŒckgang der Wirtschaftsleistung.
Nach Kriegsende begann, getragen durch hohe Rohstoffpreise und internationale Investitionen im bedeutenden Bergbausektor, ein erneuter Aufschwung. Der Ausbruch der Finanzkrise 2008 belastete mit sinkenden Rohstoffpreisen und rĂŒcklĂ€ufigen Investitionen auch die kongolesische Wirtschaft auĂerordentlich stark.cite-ref-150[J 33]
Rohstoffe
Bergbau
â
Hauptartikel
:
Bergbau in der Demokratischen Republik Kongo
Allgemeines
Der Kongo zĂ€hlt zu den rohstoffreichsten LĂ€ndern der Welt. Bergbauprodukte sind daher seit Jahrzehnten Hauptexportgut, wichtigster Devisenbringer des Landes und Haupteinnahmequelle des Staates.cite-ref-151[J 34] Gefördert werden vor allem Diamanten (Kasai), Gold (Kivu, Ituri), Kupfer (Katanga), Niob-Tantal/Coltan (Kivu) sowie Kobalt (Provinzen Lualaba und Haut-Katanga), Mangan, Blei, Zink und Zinn (Katanga). Der Reichtum an mineralischen Rohstoffen fĂŒhrte wiederholt zu politischen und bewaffneten Konflikten im Land.cite-ref-cia-1-8[1]cite-ref-152[118]
SĂŒdafrika hat nach 1994 sein auĂenwirtschaftliches Engagement in der DR Kongo unter neuen politischen PrĂ€missen zunehmend ausgebaut. Im Fokus der BemĂŒhungen steht dabei die Entwicklung der Verkehrsinfrastruktur im SĂŒden des Landes. Ein wichtiger Akteur ist dabei die sĂŒdafrikanische IDC.cite-ref-153[119] Ein weiteres von der IDC unterstĂŒtztes Investitionsfeld bildet der Kupferbergbau.cite-ref-154[120] Im 2024 war Kongo der weltweit zweitgröĂte Kupferproduzent.cite-ref-155[121]
Die Volksrepublik China schloss 2007 mit der DR Kongo ein Abkommen ab, auf dessen Grundlage fĂŒr Infrastrukturbauten ein Darlehen gewĂ€hrt wurde von 5 Mrd. US-Dollar, 2008 auf 9 Mrd. erhöht. Als davon profitierende Sektoren wurden genannt: Rohstofferkundungen sowie der Ausbau der Verkehrs- und Sozialinfrastruktur in der Provinz Katanga. Ein Jointventure mit dem Namen Sicomines zwischen GĂ©camines, Sinohydro und der China Railway Engineering Corporation wurde vereinbart.cite-ref-156[122]
MaĂnahmen gegen menschenunwĂŒrdige und gesundheitsgefĂ€hrdende Arbeitsbedingungen
Die Bundesanstalt fĂŒr Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) untersuchte von 2018 bis 2021 die Lebensbedingungen der im Osten der DR Kongo mit Bergbau auf verschiedene Rohstoffe BeschĂ€ftigten in einem Projekt. Das Ziel dieses Vorhabens bestand in einer Verbesserung der Lebensbedingungen vor Ort. Kleinere Bergbaubetriebe und Kooperativen erhalten durch moderne Audit- und TrainingsmaĂnahmen UnterstĂŒtzung fĂŒr verantwortungsvolle Bergbaupraktiken. Das Bergbau-Ministerium der DR Kongo ist an der Entwicklung dieser Systemstandards beteiligt. Die BGR unterhĂ€lt zur Kontrolle dieser Entwicklungen in Kinshasa, Kindu, Bukavu, Goma und Lubumbashi entsprechende Kontaktstellen.cite-ref-158[124] Das deutsche Bundesministerium fĂŒr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hatte Untersuchungen ĂŒber die konkreten wirtschaftlichen und sozialen ZusammenhĂ€nge in Auftrag gegeben, die zwischen 2019 und 2021 liefen.cite-ref-159[125]
Coltan-Thematik
Besondere Bekanntheit hat seit Ende des 20. Jahrhunderts der Abbau des Erzes Coltan erlangt. Es enthĂ€lt die wirtschaftlich bedeutsamen Metalloxidminerale Columbit und Tantalit, aus denen Niob und Tantal gewonnen werden. Tantal ist fĂŒr die Produktion elektronischer GerĂ€te von groĂer Bedeutung, Niob dient als Legierungszusatz in der Stahlproduktion bei der Herstellung hitzebestĂ€ndiger Metallbauteile fĂŒr die Luft- und Raumfahrtindustrie.cite-ref-160[126]
Die noch in der Kolonialzeit und den ersten Jahren nach der UnabhĂ€ngigkeit entstandenen Förderanlagen an einigen Orten sind heute mangels Instandhaltung weitgehend zerfallen; der Wiederaufbau kommt nur schleppend voran.cite-ref-cia-1-9[1]cite-ref-161[J 35] Der Kleinbergbau, eine weitgehend ohne maschinelle UnterstĂŒtzung getĂ€tigte Rohstoffgewinnung, ist ein bedeutender Wirtschaftszweig mit vielen ErwerbstĂ€tigen. Er hat den gröĂten Anteil am Bruttoinlandsprodukt und an den Exporten. Diese Wirtschaftsform entzieht sich weitgehend staatlicher Kontrolle.cite-ref-162[J 36]
WĂ€hrend des Krieges war der Verkauf von BodenschĂ€tzen wichtigste Einnahmequelle sowohl fĂŒr die Regierung als auch die Rebellen. Auch die Nachbarstaaten und private Gesellschaften waren an der jahrelangen systematischen AusplĂŒnderung des Landes beteiligt.cite-ref-163[127]
Nach wie vor wird der Osten des Landes, in dem sich die meisten BodenschĂ€tze befinden, zu groĂen Teilen nicht von der Regierung, sondern von aufstĂ€ndischen Milizen kontrolliert. Die SchĂŒrfer mĂŒssen ihre Erze zu Preisen, die weit unter Weltmarktpreisen liegen, an ExporthĂ€ndler verkaufen, die von den lokalen Machthabern konzessioniert sind. Dieses System beschert den Bewaffneten stetige Einnahmen und ermöglicht damit die Finanzierung des Krieges.cite-ref-j190-164-0[J 37] ZukĂŒnftig soll ein Zertifizierungssystem fĂŒr kongolesische Rohstoffe dafĂŒr sorgen, dass diese legal gehandelt werden.cite-ref-165[128] Der Import von Coltan aus der DR Kongo steht in den Industriestaaten seit Jahren in der Kritik, weil damit westliche Unternehmen indirekt maĂgeblich zur Aufrechterhaltung des Kriegszustandes beitragen. Verschiedene Nichtregierungsorganisationen organisierten immer wieder Boykottkampagnen gegen Coltan aus dem Kongo, lieĂen dabei aber auĂer Acht, dass der Coltanexport Haupteinnahmequelle der Bevölkerung des Kivu ist.cite-ref-166[J 38]
Um die Geldquellen der Profiteure dieser GeschĂ€fte trockenzulegen, verhĂ€ngte die Regierung am 11. September 2010 einen totalen Stopp sĂ€mtlicher BergbauaktivitĂ€ten fĂŒr die Provinzen Nord-Kivu, Sud-Kivu und Maniema im Osten des Kongos, der SchĂŒrfer, HĂ€ndler, Exporteure und Inhaber von Abbaurechten betraf.cite-ref-167[129] Dadurch konnten die BergbauaktivitĂ€ten nicht gestoppt werden, vielmehr wurden sie in den illegalen Bereich gedrĂ€ngt. WĂ€hrend kriminelle Unternehmen profitierten, brach die sonstige Wirtschaft in der Kivu-Region fast vollstĂ€ndig zusammen. Deshalb wurde das Bergbauverbot im MĂ€rz 2011 wieder aufgehoben.cite-ref-168[130]
Erdöl
Die Erdölreserven im gesamten Staatsgebiet werden auf 180 Millionen Barrel geschĂ€tzt, im Jahr 2009 wurden tĂ€glich rund 16.360 Barrel Erdöl gefördert.cite-ref-cia-1-10[1] Die Regierung forciert die Erdölförderung, missachtet aber dabei hĂ€ufig Umwelt- und Sicherheitsbedenken. Im Jahr 2010 erhielten SOCO, Dominion Petroleum und das Staatsunternehmen Cohydro Konzessionen fĂŒr die Ălförderung im Nationalpark Virunga, der zum Weltnaturerbe zĂ€hlt und mitten in einem von Rebellen kontrollierten Gebiet liegt.cite-ref-169[131] Auf Druck von EU-Kommission, UNESCO und zustĂ€ndigen UN-Stellen wurde die Genehmigung des Projekts jedoch im MĂ€rz 2011 von der Regierung zurĂŒckgenommen.cite-ref-170[132]
Das Land besitzt Erdgasreserven von 991,1 Millionen Kubikmetern, derzeit findet jedoch noch keine Förderung statt.cite-ref-cia-1-11[1]
Landwirtschaft
WĂ€hrend der Kolonialzeit wurde die Landbevölkerung zum Anbau von FeldfrĂŒchten fĂŒr den Export gezwungen,cite-ref-171[J 39] in den Jahren vor der UnabhĂ€ngigkeit entstanden auch von EuropĂ€ern geleitete AgrargroĂbetriebe. Seit 1960 ging die landwirtschaftliche Produktion stetig zurĂŒck. Besonders die Verstaatlichung ab 1973, in der viele produktive Betriebe enteignet wurden, verursachte einen deutlichen Einbruch bei der Erzeugung von Agrarprodukten. Seitdem wird die Landwirtschaft vor allem zugunsten des lukrativeren Kleinbergbaus vernachlĂ€ssigt.cite-ref-172[J 40] In den meisten lĂ€ndlichen Regionen herrscht heute Subsistenzwirtschaft; ein Transport der Ernte in die StĂ€dte wĂ€re aufgrund mangelhafter Verkehrswege ohnehin kaum möglich.cite-ref-173[133]cite-ref-cs-174-0[134]
Nur knapp drei Prozent der LandflĂ€che wird landwirtschaftlich genutzt, dennoch macht die Landwirtschaft mehr als die HĂ€lfte des Bruttoinlandsprodukts aus und beschĂ€ftigt fast zwei Drittel der erwerbstĂ€tigen Bevölkerung. Die Produktion von Nahrungsmitteln reicht fĂŒr den Eigenbedarf nicht aus, das Land muss deshalb solche importieren.cite-ref-cia-1-12[1]cite-ref-cs-174-1[134]
Typische Agrarprodukte sind Maniok, Zuckerrohr, Kaffee, Palmöl, Kautschuk und Bananen. Ebenfalls besteht eine nennenswerte Holzwirtschaft.cite-ref-cia-1-13[1]
Industrie
Der industrielle Sektor konzentriert sich heute auf die Gewinnung und Verarbeitung der erschlossenen mineralischen BodenschĂ€tze. Es werden mit den Metallrohstoffen und Halbfabrikaten groĂe Abnehmer im Weltmarkt beliefert.cite-ref-175[135]cite-ref-176[136] WĂ€hrend des Wirtschaftsbooms um das Jahr 1970 wurde zwar mit dem Aufbau einer importsubstituierenden Industrie begonnen, diese war aber gegenĂŒber Importen nicht konkurrenzfĂ€hig und verschwand bis in die 1990er Jahre fast völlig. Industrielle GroĂbetriebe bestehen heute kaum noch. Die verarbeitende Industrie besteht ĂŒberwiegend aus Kleinbetrieben, die KonsumgĂŒter wie Textilien, Schuhe oder Zigaretten produzieren bzw. in der Lebensmittelverarbeitung tĂ€tig sind.cite-ref-cia-1-14[1]cite-ref-cs-174-2[134]
Finanz- und Bankensektor
Laut einer EinschĂ€tzung des International Monetary Funds aus dem Jahr 2014 ist der Finanz- und Bankensektor der Demokratischen Republik Kongo nur oberflĂ€chlich vorhanden und unterentwickelt.cite-ref-imf2014-177-0[137] Zentralbank des Landes ist die Banque Centrale du Congo (BCC). Laut der WirtschaftsprĂŒfungsgesellschaft KPMG waren im Kongo im Jahr 2017 20 kommerzielle Banken aktiv.cite-ref-178[138] Es gibt eine staatliche Versicherungsanstalt und ein Sozialversicherungsinstitut. Stand 2014 gab es 143 Mikrofinanzinstitute, 59 Geldtransferagenturen sowie 16 WĂ€hrungshĂ€user. Die Demokratische Republik Kongo verfĂŒgt weder ĂŒber einen Aktien- noch ĂŒber einen Kapitalmarkt.cite-ref-imf2014-177-1[137]
Das Land ist eines der LĂ€nder, in denen nach wie vor der GroĂteil der Bevölkerung vom konventionellen Bankensektor ausgeschlossen ist. Laut einer SchĂ€tzung aus dem Jahr 2017 haben nur 26 % aller Kongolesen ein Bankkonto. Wie in vielen anderen afrikanischen LĂ€ndern wird auch in der Demokratischen Republik Kongo ein betrĂ€chtlicher Teil des Finanzsektors durch im Ausland lebende StaatsbĂŒrger beeinflusst. Im Jahr 2017 gaben rund 40 % der Bevölkerung an, regelmĂ€Ăig finanzielle RĂŒckĂŒberweisungen zu senden oder zu erhalten.cite-ref-179[139]
AuĂenhandel
| Haupthandelspartner im Jahr 2017 | Haupthandelspartner im Jahr 2017 | Haupthandelspartner im Jahr 2017 | Haupthandelspartner im Jahr 2017 |
|---|---|---|---|
| Exporte [ 1 ] | Exporte [ 1 ] | Importe [ 1 ] | Importe [ 1 ] |
| Volksrepublik China | 41,4 % | Volksrepublik China | 19,9 % |
| Sambia | 22,7 % | SĂŒdafrika | 18,0 % |
| SĂŒdkorea | 7,2 % | Sambia | 10,4 % |
| Finnland | 6,2 % | Belgien | 9,1 % |
GröĂter Handelspartner der Demokratischen Republik Kongo ist heute bei Weitem die Volksrepublik China, welche 2017 mehr als 40 % aller Exporte sowie knapp 20 % der Importe des Landes ausmachte. Andere wichtige Exportdestinationen sind Sambia, SĂŒdafrika, SĂŒdkorea und Finnland, importiert wird neben China noch aus Belgien, Indien, Sambia, SĂŒdafrika und Tansania.cite-ref-cia-1-17[1]cite-ref-rsa-dirci-180-0[140]cite-ref-181[141] 2017 exportierte das Land Waren im Wert von rund 11 Milliarden US-Dollar. Die Hauptexportprodukte sind Diamanten, Kupfer, Gold, Cobalt, Germanium, ferner Holz sowie Rohöl, Kaffee und Kakao. Den Ausfuhren stehen Importe im Wert von 10,82 Milliarden US-Dollar gegenĂŒber. Es handelt sich bei den Einfuhren zumeist um Maschinen und Fahrzeuge aller Art sowie um Nahrungsmittel und Treibstoffe.cite-ref-cia-1-18[1]cite-ref-182[142]
Die AuĂenhandelsbilanz des gesamten Landes ist zumeist nahezu ausgeglichen, allerdings bestehen innerhalb des Landes hohe Ungleichgewichte, denn nahezu alle ExportgĂŒter werden in nur wenigen Landesteilen produziert. Lokale Handelsbilanzdefizite werden zumeist durch informellen Handel, der in den Statistiken nicht auftaucht, ausgeglichen.cite-ref-183[J 41]
Neben einer differenzierten Investitionskooperation mit SĂŒdafrika erhielt die DRC UnterstĂŒtzung auf dem Gebiet des Technologietransfers, der öffentlichen Verwaltung und der Versorgung mit HandelsgĂŒtern und Serviceleistungen. Im Jahre 2012 war SĂŒdafrika mit einem Anteil von 21,6 Prozent am DRC-Importvolumen der gröĂte AuĂenhandelspartner des Landes.cite-ref-rsa-dirci-180-1[140]
Staatshaushalt
Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 5,8 Milliarden US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 5,4 Milliarden US-Dollar gegenĂŒber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 0,9 % des Bruttoinlandsprodukts.cite-ref-cia-1-19[1]
Die Staatsverschuldung betrug 2016 21,5 % des BIP.cite-ref-184[143] 2010 wurden der Demokratischen Republik Kongo Staatsschulden in Höhe von ca. 12 Milliarden US-Dollar erlassen; 2009 entsprach die Staatsverschuldung noch 138,3 % des BIP und war damit, gemessen an der Wirtschaftsleistung, eine der höchsten der Welt.cite-ref-cia-1-20[1]cite-ref-185[144]
2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:
âą Gesundheit:cite-ref-cia-1-21[1] 11,2 % (2009)
Infrastruktur
Karten Infrastruktur
Die Demokratische Republik Kongo steht groĂen Herausforderungen gegenĂŒber, was die Infrastruktur betrifft. Die bewaffneten Konflikte der nĂ€heren Vergangenheit haben dazu gefĂŒhrt, dass die Einrichtungen entweder direkt beschĂ€digt oder ihr Erhalt vernachlĂ€ssigt wurden. Somit ist mehr als die HĂ€lfte der Anlagen dringend erneuerungsbedĂŒrftig. Um auf den Stand eines durchschnittlichen Entwicklungslandes zu kommen, mĂŒsste die Demokratische Republik Kongo jĂ€hrlich etwa 5,3 Milliarden US-Dollar bzw. 75 % ihres Bruttoinlandsproduktes von 2006 aufwenden, gleichzeitig geht aktuell jĂ€hrlich fast eine halbe Milliarde US-Dollar durch ineffiziente Infrastruktur verloren.cite-ref-187[146]
StraĂenverkehr
Der Kongo erbte bei seiner UnabhĂ€ngigkeit ein teils sehr gutes StraĂennetz von ĂŒber 100.000 Kilometern LĂ€nge, das sich ĂŒber das gesamte Land erstreckte. Unzureichende Wartung wĂ€hrend der Herrschaft Mobutus sorgte dafĂŒr, dass in den 1990er Jahren nur noch etwa 10.000 Kilometer StraĂe befahrbar waren, die ĂberlandstraĂen waren fast vollstĂ€ndig verschwunden.cite-ref-188[J 42] Die LĂ€nge des StraĂennetzes wird heute mit rund 150.000 Kilometer angegeben, von denen nur rund 3000 Kilometer asphaltiert sind;cite-ref-cia-1-23[1] es gibt in der Welt kaum ein Land, das ein so dĂŒnnes StraĂennetz hat wie die Demokratische Republik Kongo. Auf 1000 kmÂČ kommen im Schnitt gerade 1 km befestigter und 14 km unbefestigter StraĂe. Weniger als die HĂ€lfte des StraĂennetzes befindet sich in annehmbaren Zustand und die Wiederherstellung vernĂŒnftiger StraĂenverbindungen zwischen den BallungsrĂ€umen des Landes gehört zu den dringendsten Aufgaben der Regierung. Die niedrige Bevölkerungsdichte, das Klima und die Topographie lassen den Unterhalt eines gut ausgebauten StraĂennetzes aber sehr teuer werden, so dass das Land etwa 5 % seines Bruttonationalproduktes jĂ€hrlich allein fĂŒr den Unterhalt seiner Verkehrsinfrastruktur ausgeben mĂŒsste. Das ist ein Vielfaches dessen, was fĂŒr öffentliche Investitionen in den letzten Jahren zur VerfĂŒgung gestanden hat. Als Konsequenz des Ganzen kostet es dreimal so viel, GĂŒter auf der StraĂe wie auf dem Wasserweg zu transportieren, der StraĂentransport ist in der Demokratischen Republik Kongo dreimal so teuer wie in seinen NachbarlĂ€ndern.cite-ref-189[147] Um dem entgegenzuwirken, gibt es diverse gemeinnĂŒtzige Projekte, die den StraĂenbau aktiv fördern: So unterstĂŒtzen Hilfsorganisationen etwa die Befestigung und Instandhaltung von VersorgungsstraĂen, sodass diese auch von LKW befahren werden können, damit die teilweise sehr abgelegenen Dörfer die benötigten Warenlieferungen erhalten.cite-ref-190[148]
Der StraĂenverkehr gilt als extrem unsicher. 2013 kamen in der DR Kongo insgesamt 33,2 Verkehrstote auf 100.000 Einwohner. Zum Vergleich: In Deutschland waren es im selben Jahr 4,3 Tote. Insgesamt kamen damit ĂŒber 22.000 Personen im StraĂenverkehr ums Leben. Die Rate an Verkehrstoten ist noch weitaus höher, wenn man sie der niedrigen Motorisierungsrate des Landes gegenĂŒberstellt. 2007 kamen im Land 5 Kraftfahrzeuge auf 1000 Einwohner (in Deutschland waren es ĂŒber 500 Fahrzeuge).cite-ref-191[149]
Schienenverkehr
â
Hauptartikel
:
Schienenverkehr in der Demokratischen Republik Kongo
In der Kolonialzeit wurde der Ausbau eines Eisenbahnnetzes vorangetrieben, vorrangig zum effizienteren Transport der Rohstoffe, die per Bahn schneller aus dem Landesinneren an die KĂŒste gelangen konnten. Heute verfĂŒgt die Demokratische Republik Kongo auf dem Papier ĂŒber rund 5100 Kilometer Gleiscite-ref-mgl-10-3[10] in mehreren voneinander unabhĂ€ngigen Netzen. Die Chemin de Fer Matadi-Kinshasa (CFMK) betreibt eine 366 km lange Verbindung zwischen Kinshasa und dem Hafen Matadi. Diese eingleisige Strecke stammt in ihrer heutigen StreckenfĂŒhrung aus den 1930er Jahren. Die SociĂ©tĂ© Nationale des Chemins de fer du Congo (SNCC) betreibt ein weitaus gröĂeres Netz mit Zentrum im SĂŒdosten des Landes, wobei die wichtigste Verbindung zwischen Kolwezi und der Grenze zu Sambia verlĂ€uft und teilweise bereits zu Kolonialzeiten durch die 50-Hz-Arbeitsgemeinschaft elektrifiziert wurde. Ăber die SNCC verlassen Rohstoffe, vor allem Kupfer, das Land. Die SNCC ist von Ilebo ĂŒber den Fluss Kongo mit Kinshasa und damit der CFMK verbunden. Nachdem in Angola bis 2014 die Benguelabahn wiedererrichtet wurde, wurde sie innerhalb der DR Kongo mit dem Netz der SNCC verbunden, was Kupferexporte ĂŒber den Atlantikhafen Lobito ermöglichte. Die Infrastruktur der SNCC ist alt und in sehr schlechtem Zustand, so dass mehr und mehr Rohstoffe ĂŒber die StraĂe befördert wurden.cite-ref-foster12-192-0[150] Im 2023 wurde die Lobito Atlantic Railway eingeweiht, welche Kolwezi im Kongo mit Lobito an der AtlantikkĂŒste von Angola verbindet.cite-ref-193[151] Die Uelle-Bahnen werden gröĂtenteils schon lange nicht mehr bedient, jedoch wurde der Abschnitt zwischen Bumba und Aketi im Jahr 2005 wiederhergestellt.cite-ref-194[152]
Im Vergleich mit den Eisenbahnnetzen seiner NachbarlĂ€nder verkehren auf den Schienen des Kongo sehr wenige ZĂŒge, die Indikatoren fĂŒr Effizienz und ZuverlĂ€ssigkeit sind deutlich schlechter und die Preise fĂŒr die GĂŒter- wie Personenbeförderung deutlich höher.cite-ref-foster12-192-1[150]
Schiffsverkehr
Der Hafen von Matadi ist mit 2,5 Millionen Tonnen KapazitĂ€t der wichtigste Seehafen der Demokratischen Republik Kongo. Er liegt nahe der Kongo-MĂŒndung, hat jedoch den Nachteil, dass er aufgrund der geringen Tiefe des Flusses nur von kleinen Schiffen erreicht wird, womit er vom Umladen in Pointe-Noire abhĂ€ngt. WĂ€hrend Matadi fĂŒr den Westteil des Landes von hoher Bedeutung ist, liegen die HĂ€fen fĂŒr die StĂ€dte im Osten der Demokratischen Republik Kongo an der afrikanischen OstkĂŒste: Mombasa fĂŒr den Nordosten, Daressalam und Durban fĂŒr den SĂŒdosten.cite-ref-foster13-195-0[153]
Der Hafen von Matadi ist auch im afrikanischen Kontext ineffizient bei gleichzeitig hohen Kosten, darĂŒber hinaus muss er regelmĂ€Ăig ausgebaggert werden. Dies gilt auch fĂŒr die kleineren HĂ€fen Boma und Banana. Der direkte Zugang zum Tiefseehafen Pointe-Noire ist fĂŒr die Demokratische Republik Kongo durch den desolaten Zustand der Bahn- und StraĂeninfrastruktur in der benachbarten Republik Kongo versperrt.cite-ref-foster13-195-1[153]
Angesichts der schlechten StraĂen und Gleise hat der Schiffsverkehr auf den FlĂŒssen die gröĂte Bedeutung fĂŒr das Land. Mehr als 15.000 km des Kongo und seiner NebenflĂŒsse sind schiffbar.cite-ref-196[154] Zudem werden auf gröĂeren Seen wie dem Kiwusee FĂ€hren eingesetzt. Schlechte Wartung der Schiffe, Ăberladung, Nachtfahrten, nicht mehr funktionierende Leitsysteme sowie fehlende Sicherheitskontrollen und -ausstattungen wie Schwimmwesten fĂŒhren jedoch immer wieder zu UnglĂŒcken mit zahlreichen Todesopfern.cite-ref-197[155]cite-ref-198[156]
Flugverkehr
Aufgrund des schlechten StraĂensystems und der geographischen GröĂe des Landes kommt dem Luftverkehr erhebliche Bedeutung zu. WĂ€hrend des Krieges waren viele StĂ€dte nur per Flugzeug erreichbar, Reisen auf dem Landweg waren durch die RebellenprĂ€senz zu gefĂ€hrlich.cite-ref-199[J 43] Von groĂer Bedeutung ist der Luftfrachtverkehr, die abgebauten BodenschĂ€tze werden vor allem im Osten des Landes auf dem Luftweg abtransportiert, weil die StraĂen unter Rebellenkontrolle stehen.cite-ref-j190-164-1[J 37] Im Land gibt es fast 200 FlugplĂ€tze, aber nur 26 mit befestigter Landebahn.cite-ref-cia-1-24[1] GröĂter Flughafen ist der Flughafen Ndjili in Kinshasa, weitere internationale FlughĂ€fen befinden sich in den StĂ€dten Lubumbashi, Bukavu, Goma und Kisangani.
Aufgrund schlechter Wartung und mangelnder Sicherheitskontrollen kam es in Kongo wiederholt zu FlugunfĂ€llen, weshalb alle rund 50 kongolesischen Fluggesellschaften auf der schwarzen Liste der EU-Kommission stehen. Die einstmals gröĂte Linie Hewa Boracite-ref-foster15-200-0[157] musste 2011 nach einem Absturz ihren Betrieb einstellen. Viele InlandsflĂŒge werden von Kongolesen als Umsteigeverbindungen ĂŒber das Ausland gebucht, um die einheimischen Luftlinien zu umgehen. Somit ist die Schaffung einer effizienten Aufsichtsbehörde ĂŒber den Luftverkehr von oberster Dringlichkeit.cite-ref-foster15-200-1[157]
Energie- und Wasserversorgung
Die Demokratische Republik Kongo gewinnt elektrische Energie fast ausschlieĂlich aus Wasserkraft.cite-ref-201[158]cite-ref-202[159] Die beiden gröĂten Kraftwerke sind die zwei Inga-StaudĂ€mme am Unterlauf des Kongo. Sie gingen 1972 (Inga I) bzw. 1982 (Inga II) in Betrieb und versorgen sowohl die Hauptstadt Kinshasa als auch Bergbaubetriebe in Katanga mittels der HGĂ Inga-Shaba mit Strom.
Die Demokratische Republik Kongo hat das gröĂte Wasserkraft-Potenzial Afrikas. Es betrĂ€gt 100 GW, ist kostengĂŒnstig zu erschlieĂen und könnte neben dem Kongo selbst auch die ExportmĂ€rkte im sĂŒdlichen Afrika versorgen. Bis dato ist das Potenzial jedoch weitgehend ungenutzt, im Jahr 2009 waren nur 2,4 GW Leistung installiert, die VernachlĂ€ssigung wĂ€hrend der BĂŒrgerkriege hat jedoch dazu gefĂŒhrt, dass nur 1 GW ĂŒberhaupt einsatzbereit ist.cite-ref-foster7-203-0[160] Der im Mai 2013 angekĂŒndigte Ausbau der Inga-StaudĂ€mme kann als Schritt in Richtung der Entwicklung des riesigen Potenzials verstanden werden.cite-ref-204[161]
In der Demokratischen Republik Kongo haben etwa 30 % der Bevölkerung Zugang zu Leitungswasser, meist öffentlich oder auch im eigenen Haus. Fast ein Viertel der Bevölkerung ist jedoch auf OberflĂ€chen-Wasser angewiesen. Besorgniserregend ist, dass dieser Anteil steigt. Der Anteil der Bevölkerung, die nicht einmal Zugang zu einer Latrine hat, liegt bei einem Sechstel, auch dieser Anteil steigt. Der öffentliche Wasserversorger heiĂt Regideso, er agiert bei weitem weniger effizient als seine Pendants in anderen afrikanischen Staaten. 40 % des Wassers gehen in seinem Netz verloren und nur 70 % des konsumierten Wassers wird bezahlt.cite-ref-foster18-205-0[162]
Internet und Telekommunikation
Im Jahr 2022 nutzten 27,2 Prozent der Einwohner der Demokratischen Republik Kongo das Internet.cite-ref-206[163] Zum Anstieg der Internetnutzung in den 2010er Jahren auf diesen Wert trug vor allem die Fertigstellung des West Africa Cable System, einem durch viele afrikanische Staaten verlaufenden See-Telekommunikationskabel von SĂŒdafrika nach GroĂbritannien, im Jahr 2013 bei. Der Verbindungspunkt des Systems im Kongo ist die Kleinstadt Muanda.cite-ref-207[164] Dennoch haben nach wie vor nur wenige Kongolesen regelmĂ€Ăigen Zugang zum Internet, was hauptsĂ€chlich an den extrem hohen Preisen liegt. Eine verlĂ€ssliche Internetflatrate kann 100 US-Dollar im Monat kosten, fĂŒr die meisten Menschen mehr als ein Monatsgehalt.
Das Telefonnetz des staatlichen Betreibers OCPT ist unzuverlĂ€ssig und unzureichend, es gibt daher nur rund 10.000 FestnetzanschlĂŒsse im ganzen Land. Trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen hat sich die Mobiltelefonie in der Demokratischen Republik Kongo schnell entwickelt. Die Nutzungsrate von Mobiltelefonen ist heute verhĂ€ltnismĂ€Ăig hoch, im Jahr 2017 gab es 42 HandyvertrĂ€ge per 100 Einwohner.cite-ref-cia2015-208-0[165]cite-ref-209[166] Der lebhafte Wettbewerb zwischen den vier Anbietern fĂŒhrt zu niedrigen Preisen, wie auch in den NachbarlĂ€ndern.
Kultur
Literatur
Ein bekannter Autor war Valentin-Yves Mudimbe, der die archaischen und gewaltsamen Strukturen der postkolonialen Stammesgesellschaft in der Zeit der politischen Wirren der 1960er Jahre beschrieb. Ins Englische ĂŒbersetzt wurde sein Buch Before the Birth of the Moon (zuerst frz. 1976), ins Deutsche ein ErzĂ€hlungsband.cite-ref-210[167] Als Lyrikerin und durch Kurzgeschichten wurde ClĂ©mentine Nzuji bekannt. Verschiedene Autoren emigrierten unter der Herrschaft Mobutus nach Kongo (Brazzaville) und Europa, so auch In Koli Jean Bofane, der seit 1993 in Belgien lebt und auch in Deutschland durch die BĂŒcher Warum der Löwe nicht mehr König der Tiere ist und Congo Inc.: Le Testament de Bismarck bekannt wurde.
Medien
Trotz der in der Verfassung des Landes garantierten Informations- und Pressefreiheit sieht die Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen in der Demokratischen Republik Kongo eine schwierige Lage fĂŒr die Pressefreiheit.cite-ref-211[168] Die Medien im Land sind zum ĂŒberwiegenden Teil im Besitz oder unter dem Einfluss politischer Gruppierungen. Die Journalisten sind finanziell von ihren Auftraggebern abhĂ€ngig; eine Situation, die unabhĂ€ngige Berichterstattung auch ohne direkte staatliche Interventionen einschrĂ€nkt. Die QualitĂ€t der Berichterstattung ist allgemein schlecht. Die Journalisten sind unzureichend ausgebildet, schlecht bezahlt, oft korrupt und durch ihre Auftraggeber in der Berichterstattung eingeschrĂ€nkt. Kritische Journalisten werden bedroht, erpresst, verhaftet und gelegentlich ermordet, sodass Selbstzensur weit verbreitet ist. Urheberrechte werden selten beachtet.cite-ref-medien-212-0[169] Das Land hat drei bedeutsame Nachrichtenagenturen:
âą Agence Congolaise de Presse (staatliche Nachrichtenagentur)
⹠Digital Congo (Agentur der PrÀsidentenfamilie)cite-ref-medien-212-1[169]
âą Documentation et Informations Africaines (D.I.A.) (kirchliche Nachrichtenagentur seit 1970)
Fernsehen und Hörfunk
Das Radio ist das reichweitenstĂ€rkste Medium des Landes und ist auch im lĂ€ndlichen Raum sehr verbreitet. Im Jahr 2007 gab es im Land zwei staatliche und ĂŒber 200 private, lokale Radiosender. Die UNO betreibt das landesweit empfangbare Radio Okapi; daneben sind die auslĂ€ndischen Sender BBC World Service und Radio France Internationalecite-ref-213[170] zu empfangen. RFI musste 2009 zeitweilig den Betrieb im Kongo einstellen, nachdem der Sender Kritik an der kongolesischen Armee geĂŒbt hatte.cite-ref-medien-212-2[169] Ende 2012 wurde zeitweilig die Ausstrahlung von Radio Okapi unterbunden, laut MutmaĂungen infolge eines Interviews mit dem PrĂ€sidenten der Bewegung 23. MĂ€rz, offiziell jedoch aus administrativen GrĂŒnden.cite-ref-214[171] Das Fernsehen wurde 1978 eingefĂŒhrt und verbreitete anfangs Mobutus Propaganda, der sich als vom Himmel auf die Erde herabschwebender Halbgott darstellen lieĂ.cite-ref-215[J 44]
Heute gibt es neben dem staatlichen Radio-TĂ©lĂ©vision nationale congolaise (RTNC) bis zu 50 weitere, zumeist lokale, Privatsender wie Radio TĂ©lĂ©vision Groupe LâAvenir (RTG@). Allgemein ist das Programm aus Geldknappheit qualitativ eher schlecht, so werden zumeist Musik, Wiederholungen oder politische Reden ausgestrahlt.cite-ref-medien-212-3[169]
Printmedien
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Hauptartikel
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Liste von Zeitungen in der Demokratischen Republik Kongo
Zeitungen sind mit einem Preis von etwa einem US-Dollar fĂŒr die meisten Kongolesen unerschwinglich und daher wenig verbreitet. Grund fĂŒr die hohen Preise ist der fehlende Anzeigenmarkt, wodurch sich die Zeitungen fast vollstĂ€ndig ĂŒber den Verkaufspreis finanzieren mĂŒssen. Der Zeitungsmarkt konzentriert sich fast nur auf die Landeshauptstadt Kinshasa, der Vertrieb auf dem flachen Land ist mangels Infrastruktur zu teuer. In Kinshasa gibt es neun regelmĂ€Ăig erscheinende Zeitungen, von denen sechs der Opposition und drei der Regierung zugewandt sind. Im ganzen Land dĂŒrfte es ĂŒber 200 Zeitungen geben, die allerdings mitunter nur sehr unregelmĂ€Ăig erscheinen.cite-ref-medien-212-4[169]
KĂŒche
Das Hauptnahrungsmittel in der Demokratischen Republik Kongo ist Maniok, dessen Wurzeln gekocht, gebraten, zu Brot oder Fufu-Brei verarbeitet oder als AtiĂ©kĂ© konsumiert werden, auĂerdem Taro, Mais und Reis; letztere vor allem in Kasai und Katanga. Die BlĂ€tter der Maniok-Pflanze werden ebenfalls konsumiert: Pondu ist ein im ganzen Land verbreitetes, hĂ€ufig an Festtagen zubereitetes Gericht, bei dem feingeschnittene Maniok-BlĂ€tter gekocht und dann in Palmöl geschmort werden. Dazu isst man hĂ€ufig gestampfte ErdnĂŒsse.
AuĂerdem sind die Kongolesen relativ groĂe Konsumenten von Fleisch, neben Rindfleisch (vor allem in Kivu) sowie GeflĂŒgel-, Schweine- und Hammelfleisch kommen auch hĂ€ufig Wildtiere wie Krokodil, BĂŒffel, Schlange oder Insekten (Bushmeat) auf den Tisch. Bedingt durch die groĂe Anzahl von FlĂŒssen wird auch viel Fisch konsumiert, hĂ€ufig getrocknet oder gesalzen. In der Regel ist das Essen scharf gewĂŒrzt, wobei GewĂŒrze wie Chili, Ingwer, Knoblauch und Pfeffer, manchmal auch Koriander, KĂŒmmel, Sesam, Muskat oder schwarzer Kardamom zum Einsatz kommen. Als Zwischenmahlzeit dienen oft FrĂŒchte wie Ananas, Bananen, Papayas, Mangos und KokosnĂŒsse.
Fremde KĂŒchen haben auf die Kochkunst des Kongo wenig Einfluss gehabt; zu nennen ist hier jedoch der von den Portugiesen ĂŒbernommene gesalzene Stockfisch.cite-ref-216[172]
Kunst
Das Kunstzentrum des Landes ist Kinshasa, dort befindet sich Zentralafrikas einzige Kunstakademie auf dem Niveau einer Hochschule, die AcadĂ©mie des Beaux-Arts de Kinshasa. Die bekanntesten KĂŒnstler des Landes unterrichten hier. Neben der Galerie der Akademie wird Kunst im französischen und belgischen Kulturzentrum und in der kommerziellen Galerie Symphonie des Arts prĂ€sentiert, ebenso wie in den privaten Studios der bekannteren KĂŒnstler wie Claudy Khan, Henri Kalama Akulez und Lema Kusa.
Die traditionellen und modernen KĂŒnste des Landes werden seit November 2019 im neuen Nationalmuseum in Kinshasa prĂ€sentiert. Die bedeutendste Sammlung der materiellen und immateriellen Kultur des Kongo besitzt jedoch das Afrikamuseum in Belgien.
Musik
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Hauptartikel
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Musik in der Demokratischen Republik Kongo
Die verschiedenen Arten der traditionellen afrikanischen Musik und der alten religiösen GesĂ€nge variieren von Region zu Region. Sie besitzen Tonsysteme mit fĂŒnf-, sechs- und siebentönigen Tonleitern. Klar unterscheiden lĂ€sst sich die Musik der Bantu- und der PygmĂ€engruppen.
WĂ€hrend der Kolonialzeit bildete sich in den 1920er Jahren eine gröĂere Musikszene in der Koloniehauptstadt LĂ©opoldville (heute Kinshasa). Sie bestand sowohl aus Kongolesen als auch aus westafrikanischen AuslĂ€ndern wie den Hausa und französischen und US-amerikanischen Soldaten. So bildete sich nach und nach der Soukous-Musikstil heraus, welcher auch heute noch typisch fĂŒr die Kongoregion ist. Neben dem Gesang waren die damals wichtigsten Instrumente Gitarre, Schlagzeug, Akkordeon und Klarinette. Nach und nach kamen Saxophone, Trommeln und spĂ€ter E-Gitarren hinzu. Es entstand auch ein Soukous-Tanz, welcher vor allem vom Rumba-Tanz inspiriert wurde. Der bekannteste kongolesische SĂ€nger der 1950er Jahre war Wendo. Er veröffentlichte den Hit Marie-Louise, der von vielen als Ausgangspunkt fĂŒr die moderne kongolesische Musik gesehen wird.
Nach der UnabhĂ€ngigkeit des Landes 1960 entstanden immer mehr kleinere Musikgruppen in LĂ©opoldville, die das MusikgeschĂ€ft stetig wachsen lieĂen. Bands wie African Jazz und OK Jazz erreichten europaweite Bekanntheit und tourten vor allem durch Belgien. In den 1970er Jahren begann aber die Phase der Zaiko-Generation, welche vor allem gitarrenlastig war und von Musikern wie Papa Wemba oder der Musikgruppe Madilu System vertreten wurde.
Auch heute noch treten die bekanntesten Musikgruppen des Landes auch international auf, doch der Musikstil hat sich weiter gewandelt: Neben der besonders in kongolesischen Diskotheken beliebten schnellen Soukous-Variante Nâdombolo, zu der sehr körperbetont getanzt wird, gibt es erfolgreiche kongolesische Weltmusik-Gruppen. Zu ihnen zĂ€hlt die Band Staff Benda Bilili, die 2009 auf der World Music Expo den KĂŒnstler-Preis fĂŒr Weltmusik gewann. Die Gruppe wurde wie das Orchestre Symphonique Kimbanguiste durch einen Dokumentarfilm bekannt. Beim Orchestre Symphonique Kimbanguiste handelt es sich um das einzige Symphonieorchester Zentralafrikas. Einem breiteren Publikum in Europa ist der kongolesische SĂ€nger und TĂ€nzer Jessy Matador bekannt, seit er fĂŒr Frankreich beim Eurovision Song Contest 2010 auftrat. Er verkörpert die moderne kongolesische Popmusik. In Gbadolite, einer Stadt im Norden des Landes und nahe dem Fluss Ubangi, in der PrĂ€sident Mobutu einen neuen Regierungs-Palast erbauen lieĂ, lieĂ Mobutu eine wertvolle Orgel aus Deutschland in die Kirche, die unmittelbar neben dem Palast liegt, von der bekannten Orgelbauwerkstatt Oberlinger aus Windesheim einbauen. Die berĂŒhmtesten Organisten der Welt wurden zu Konzerten eingeladen und die Bevölkerung war begeistert, als sie das erste Mal Werke von Johann Sebastian Bach oder Max Reger hörten.
Kino
Erste Filmstudios entstanden bereits in der Zeit der belgischen Kolonialherrschaft. Aufgrund des Mangels an finanziellen Mitteln und technischer AusrĂŒstung sind Filmproduktionen in der DR Kongo gering geblieben. Lediglich zwei kongolesische Regisseure konnten beim Panafrikanischen Film- und Fernsehfestival eine Auszeichnung gewinnen, nĂ€mlich Kwamy Mambu Nzinga und Mwenze Ngangura.cite-ref-217[173]
Sport
FuĂball
Der dominierende Sport in der Demokratischen Republik Kongo ist der FuĂball. Obwohl die Stadien hĂ€ufig in einem sehr schlechten Zustand sind, sind FuĂballspiele in der Lage, eine groĂe Anzahl an Zuschauern anzuziehen. Die gröĂten Erfolge der Nationalmannschaft des Landes liegen indes schon weit zurĂŒck: Die Auswahl gewann die Afrikameisterschaften von 1968 und 1974; 1974 war das damalige Zaire zudem der erste schwarzafrikanische Teilnehmer bei einer FuĂballweltmeisterschaft, blieb dort aber chancenlos. Angesichts der wenigen Aufstiegsmöglichkeiten versuchen die kongolesischen FuĂballer, im Ausland bei einem Club anzuheuern. Zu jenen, die dabei GlĂŒck und Erfolg hatten, gehörten Jean-Santos Muntubila und EugĂšne Kabongo in den 1980er Jahren. Eine nationale FuĂballliga gibt es in der Demokratischen Republik Kongo nicht. Der Versuch, eine landesweite Liga zu etablieren, wurde in den 1980er Jahren zwar unternommen, nach zwei Spielzeiten jedoch aufgegeben. Die Infrastruktur erwies sich als zu schwach, die Distanzen zu groĂ und die finanziellen Möglichkeiten zu gering. Der Landesmeister wird deshalb in regionalen Ligen ermittelt, deren beste Mannschaften im K.-o.-System gegeneinander um die Coupe du Congo spielen. Der derzeit mit Abstand erfolgreichste FuĂballverein des Kongo ist Tout Puissant Mazembe aus Lubumbashi. Der Club, der MoĂŻse Katumbi, dem reichen Ex-Gouverneur der Provinz Katanga, gehört, gewann in den Jahren 2009 und 2010 die CAF Champions League und zog 2010 als erste afrikanische FuĂballmannschaft ĂŒberhaupt ins Finale der FIFA-Klub-Weltmeisterschaft ein.cite-ref-218[174] AuĂer Mazembe konnten der AS Vita Club und der Daring Club Motema Pembe die CAF Champions League gewinnen. Andere bekannte Vereine sind der FC Bilima, FC Saint Eloi Lupopo und Lubumbashi Sport. Das mit einer KapazitĂ€t von 80.000 PlĂ€tzen mit Abstand gröĂte Stadion des Landes ist das Stade des Martyrs. Dort tragen die Hauptstadtvereine Daring Club Motema Pembe und Inter Kinshasa FuĂballspiele aus.
Andere Sportarten
Weitere Sportarten spielen eine untergeordnete Rolle. International konnte die Basketballmannschaft der Damen auf sich aufmerksam machen. Des Weiteren genieĂen Boxen und Catchen eine gewisse PopularitĂ€t.cite-ref-219[175]
In der Zeit der Diktatur von Mobutu Sese Seko wurden Sportereignisse auch zu Propagandazwecken benutzt, um die Macht Mobutus zu stĂ€rken und dem Staat Zaire internationale Anerkennung zu sichern. HierfĂŒr ist vor allem der Boxkampf Rumble in the Jungle zwischen George Foreman und Muhammad Ali zu nennen, der 1974 im Stade Tata RaphaĂ«l in Kinshasa stattfand. Es war das erste weltweit beachtete Sportereignis auf afrikanischem Boden.
Olympische Spiele und Special Olympics
1968 nahmen erstmals Athleten Zaires an den Olympischen Sommerspielen teil. Danach kam es 1984 wieder zu einer Teilnahme. Seitdem nehmen Athleten der DR Kongo und ihrer VorgÀngerstaaten ununterbrochen an den Sommerspielen teil, ohne allerdings dabei eine Medaille errungen zu haben.
Special Olympics Demokratische Republik Kongo nahm bereits mehrmals an Special Olympics Weltspielen teil.
Feiertage
Zur Erinnerung an die UnabhĂ€ngigkeit von Belgien 1960 wird am 30. Juni der Jour de lâIndĂ©pendance gefeiert.cite-ref-aa-45-4[44] Dies ist der Nationalfeiertag der Demokratischen Republik Kongo, insgesamt gibt es aber neben diesem eine Reihe weiterer gesetzlicher Feiertage, an denen die meisten öffentlichen Institutionen und GeschĂ€fte geschlossen bleiben:cite-ref-220[176]
| Datum | Name | Deutscher Name | Anmerkungen |
|---|---|---|---|
| 1. Januar | Jour de lâAn | Neujahr | |
| 4. Januar | | Tag der MÀrtyrer | Erinnerung an die Unruhen in Léopoldville am 4. Januar 1959 |
| 1. Mai | FĂȘte du travail | Tag der Arbeit | |
| 20. Mai | | Tag der Partei | |
| 24. Mai | | Tag der Fischer | |
| 30. Juni | Jour de lâIndĂ©pendance | UnabhĂ€ngigkeitstag | Nationalfeiertag |
| 1. August | | Tag der Eltern | |
| 14. Oktober | | Tag der Jugend | |
| 25. Dezember | Noël | Weihnachtsfeiertag | |
Siehe auch
Literatur
âą Julien Bobineau, Philipp Gieg, Timo Lowinger (Hrsg.): Handbuch Demokratische Republik Kongo. Geschichte, Politik, Gesellschaft, Kultur. Frank & Timme, Berlin 2024, ISBN 978-3-7329-0434-1.
âą Tom Burgis: Der Fluch des Reichtums â Warlords, Konzerne, Schmuggler und die PlĂŒnderung Afrikas. Westend, Frankfurt 2016, ISBN 978-3-86489-148-9.
âą Dominic Johnson: Kongo. Kriege, Korruption und die Kunst des Ăberlebens. 2., aktualisierte Auflage. Brandes & Apsel, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-86099-743-7.
âą Lara JĂŒssen: Kriegsökonomie in der Demokratischen Republik Kongo. Tectum Verlag, Marburg 2007, ISBN 978-3-8288-9327-6.
âą Kalala Ilunga Matthiesen: Die Demokratische Republik Kongo â Eine Analyse aus staatstheoretischer, verfassungsrechtlicher und völkerrechtlicher Sicht. Waxmann, Hamburg/MĂŒnster 2005, ISBN 3-8309-1459-8.
âą David Van Reybrouck: Kongo: Eine Geschichte. Suhrkamp, Berlin 2012, ISBN 978-3-518-42307-3.
âą Dieter H. Kollmer, Bernhard Chiari (Hrsg. im Auftrag des MilitĂ€rgeschichtlichen Forschungsamtes): Wegweiser zur Geschichte: Demokratische Republik Kongo. 3., ĂŒberarbeitete Auflage. Paderborn/MĂŒnchen/Wien/ZĂŒrich 2008, ISBN 978-3-506-75745-6, mgfa.de (Memento vom 30. Januar 2012 im Internet Archive) (PDF; 4 MB)
Dokumentationen
Weblinks
âą Atlas: Demokratische Republik Kongo â geographische und historische Karten bei Wikimedia Commons
Landeseigene Links
⹠Offizielle Website des PrÀsidenten der D.R. Kongo (französisch)
Landesprofil bei Ministerien deutschsprachiger Staaten
⹠AuswÀrtiges Amt (D): Demokratische Republik Kongo. auf www.auswaertiges-amt.de.
âą Bundesministerium fĂŒr europĂ€ische und internationale Angelegenheiten (A): LĂ€nderspezifische Reiseinformation: Kongo â Demokratische Republik (Demokratische Republik Kongo). auf www.bmeia.gv.at.
âą Eidgenössisches Departement fĂŒr auswĂ€rtige Angelegenheiten (CH): Demokratische Republik Kongo. auf www.eda.admin.ch.
Internationale Links
âą United Nations: United Nations Statistics Division. Democratic Republic of the Congo. auf www.data.un.org (englisch).
âą The World Bank: Countries. Democratic Republic of Congo. auf www.worldbank.org (englisch).
âą US-Government: CIA World Fact Book. Congo, Democratic Republic of the. auf www.cia.gov (englisch).
âą Electoral Institute for Sustainable Democracy in Africa: African Democracy Encyclopaedia Project: Democratic Republic of Congo. auf www.eisa.org (englisch).
âą WHO: Democratic Republic of Congo. auf www.afro.who.int (englisch).
⹠WelternÀhrungsprogramm der Vereinten Nationen: Democratic Republic of the Congo. auf www.wfp.org (englisch).
âą UNHCR: Democratic Republic of the Congo. auf www.unhcr.org (englisch).
âą Minority Rights Group International: Democratic Republic of the Congo. auf www.minorityrights.org (englisch).
âą UNCTAD: Catalogue of Diversification Opportunities 2022. Dem. Rep. of the Congo. auf www.unctad.org (PDF; 130 kB, englisch).
Weitere Links
âą Deutsche Gesellschaft fĂŒr Internationale Zusammenarbeit (GIZ): Demokratische Republik Kongo (DR Kongo).
âą Demokratische Republik Kongo. Deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit der Demokratischen Republik Kongo (BMZ)
âą CongoForum â aktuelle Nachrichten und Pressemitteilungen aus der DR Kongo (französisch, englisch, niederlĂ€ndisch)
âą Iseewanga Indongo-Imbanda: Deutschsprachiges Hintergrundmaterial und aktuelle Nachrichten aus der DR Kongo
âą Mission de lâOrganisation des Nations Unies pour la Stabilisation en RĂ©publique dĂ©mocratique du Congo. UN-Mission in der DR Kongo (englisch, französisch)
⹠Radio Okapi: Website des von der MONUSCO getragenen französischsprachigen Rundfunksenders. (französisch)
Einzelnachweise und Anmerkungen
âą (J) Dominic Johnson: Kongo â Kriege, Korruption und die Kunst des Ăberlebens. 2., aktualisierte Auflage. Verlag Brandes & Apsel, 2009, ISBN 978-3-86099-743-7.
cite-note-j29-36J 1. â S. 29.
cite-note-j111-60J 2. â S. 111.
cite-note-61J 3. â S. 47.
cite-note-62J 4. â S. 82, 182.
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cite-note-64J 6. â S. 182.
cite-note-65J 7. â S. 111 f.
cite-note-j108-67J 8. â S. 108.
cite-note-69J 9. â S. 176.
cite-note-j55-83J 10. â S. 55.
cite-note-87J 11. â S. 13 ff.
cite-note-88J 12. â S. 18.
cite-note-97J 13. â S. 157â171.
cite-note-109J 14. â S. 144.
cite-note-j147-110J 15. â S. 147.
cite-note-111J 16. â S. 145.
cite-note-112J 17. â S. 150 f.
cite-note-113J 18. â S. 152f.
cite-note-114J 19. â S. 153f.
cite-note-118J 20. â S. 155.
cite-note-119J 21. â S. 175f.
cite-note-j171f-131J 22. â S. 171 f.
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cite-note-134J 24. â S. 143, 146.
cite-note-136J 25. â S. 172.
cite-note-137J 26. â S. 179.
cite-note-141J 27. â S. 52.
cite-note-142J 28. â S. 16.
cite-note-145J 29. â S. 27ff.
cite-note-147J 30. â S. 43.
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cite-note-149J 32. â S. 53.
cite-note-150J 33. â S. 201.
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cite-note-161J 35. â S. 191 ff.
cite-note-162J 36. â S. 188 ff.
cite-note-j190-164J 37. â S. 190.
cite-note-166J 38. â S. 130.
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cite-note-172J 40. â S. 57.
cite-note-183J 41. â S. 188.
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-2.333333333333322.8coordinatesKoordinaten: 2° S, 23° O